
von Dipl.-Psych. Dr. Hans Ulrich Gresch
Sind Erinnerungen an sexuellen Missbrauch, die in der Therapie auftauchen, immer falsch? Wurde sie den Patienten von feministischen Psychotherapeutinnen nur eingepflanzt? Können Erinnerungen an Traumata überhaupt vergessen werden?
Auf dieser Seite skizziere ich die wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Forschung, ohne auf die zahlreichen empirischen Studien im Einzelnen einzugehen. Ich möchten dem Leser einen kurzen Überblick verschaffen. Bei Interesse ermöglichen die abschließenden Links eine tiefer gehende Auseinandersetzung.
Es gibt...
So sieht die Datenlage zum "False-Memory-Syndrom" aus. Daraus folgt: Es ist alles möglich: Wahrheit und Lüge, falsche Erinnerungen, zutreffende Erinnerungen. Es gibt keine Möglichkeit, in psychologischen Interviews oder während psychologischer Therapien das eine vom anderen zuverlässig zu unterscheiden. Erinnerungen sind kein Beweis, ebenso wenig wie der Widerruf von Erinnerungen.
In den Sozialwissenschaften gibt es keine "reinen", theorie- und kontextfreien Tatsachen und daher auch keine Schlussfolgerungen aus Fakten, die vom jeweiligen Erkenntnisinteresse des Interpreten unabhängig sind. Ich betrachte die Tatsachen zum "False Memory Syndrome" auf der Basis folgender Sachverhalte:
Unter diesen Bedingungen - also bei dieser Datenlage und diesen politischen Gegebenheiten - muss damit gerechnet werden, dass tatsächlichen Opfern von Kindesmisshandlungen aller Art nicht geglaubt und Unschuldige grundlos wegen Kindesmissbrauch angeschuldigt werden.
Die wissenschaftlichen Befunde, die bei etwas gutem Willen eine fundierte, rationale Auseinandersetzung ermöglichen würden, liegen vor und die empirische Basis wird beständig weiter ausgebaut. Vor allem die amerikanische Forschung hat hier Beispielhaftes geleistet. Leider wird die Literatur - gerade in Deutschland - von den "Experten" in beiden Lagern (Pro & Contra) nur sehr einseitig rezipiert. Man neigt dazu, sich die Rosinen herauszupicken, also nur die Studien, die für die eigene Position sprechen, herauszustreichen.
Niemand muss stundenlang in Bibliotheken wühlen, um sich kundig zu machen. Im Internet findet sich eine Fülle von Material, das kostenlos herunter geladen werden kann.
Web Site der Psychologin-Professorin Jennifer Freyd, Tochter der "False-Momory-Syndrome-Foundation"-Gründer Peter J. und Pamela Freyd. Jennifer Freyd behauptet, von ihrem Vater sexuell missbraucht worden zu sein.
Web Site des Psychotherapeuten Jim Hopper, sehr umfassend, sehr materialreich.
Das Recovered Memory Project. Hier finden sich Studien zum Wahrheitsgehalt bzw. zur Glaubwürdigkeit von wiedergewonnenen Erinnerungen.
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Dipl.-Psych. Dr. Hans Ulrich Gresch