
von Dipl.-Psych. Dr. Hans Ulrich Gresch
Die Heilung der Seele ist immer Selbstheilung. Niemand kann Sie von außen verändern. Veränderung muss von innen kommen. .Hüten Sie sich vor Helfern, wenn es um die Seele geht. Hüten Sie sich besonders vor Helfern mit charismatischer Ausstrahlung. Echte Charismatiker sind meisten keine professionellen Helfer. Bei Helfern ist das Charisma meist der Leim, auf den Sie kriechen sollen. Es gibt keine Wundermittel und keine Wundermänner, die Ihnen die Arbeit der Selbstveränderung abnehmen könnten. Sie allein sind die Ursache des Erfolgs. Wenn Sie das Bedürfnis haben, zu einem Helfer aufzuschauen, dann machen Sie sich klar, dass dies ein Symptom Ihrer Krankheit ist.
Was soll ein Mensch tun, der unter Gedanken oder Halluzinationen leidet, die ihn quälen und die er nicht kontrollieren kann? Was soll ein Mensch tun, der von unerklärlichen Ängsten gepeinigt wird, der Zwänge nicht in den Griff bekommt, der tiefe Traurigkeit nicht zu überwinden vermag?
Liegt es nicht nahe, in einer solchen Situation seine Versicherungskarte
zu nehmen und zum Psychiater oder Psychotherapeuten zu gehen? Psychiater
und Psychotherapeuten sind schließlich Fachleute, die Erfahrungen
mit seelisch leidenden Menschen haben, die Heilmittel verschreiben oder
psychologische Methoden zur Überwindung dieser Phänomene beherrschen.
Es gibt viele gute Gründe, sich in die Obhut eines Fachmannes zu
begeben. Mein Artikel will Sie davon überzeugen, dass auch viele
gute Gründe dagegen sprechen. Unter dem Strich sind Sie besser beraten,
auf die eigene Kraft zu vertrauen. Denn wenn Sie sich nicht selber helfen
können, dann kann Ihnen niemand helfen. Jede Heilung der Seele ist
Selbstheilung.
Meist sorgen unbewusste Mechanismen dafür, dass wir psychische Krisen überwinden. Wir sagen dann: Die Zeit heilt alle Wunden. Aber es war nicht das bloße Verstreichen der Zeit, obwohl uns dies so erscheinen mag. Wir haben nur nicht bemerkt, wie unser Unterbewusstsein dafür gesorgt hat, dass die Dinge wieder ins Lot kommen.
Doch dies gelingt nicht immer. In diesen Fällen müssen wir uns bewusst und aktiv darum bemühen, die missliche Situation zu meistern, alte Wege zu verlassen und neue Ziele anzustreben. Viele Menschen sind dann, wenn alles über ihnen zusammenzubrechen scheint, hoffnungslos, haben den Mut verloren und trauen sich nichts mehr zu.
Dennoch sprudeln in unserem Unterbewusstsein Kraftquellen, die wir nützen können – und innere Stimmen fordern uns auf, unseren Verstand zu gebrauchen und aus diesen Quellen zu schöpfen. Oft sind diese Stimmen sehr, sehr leise, mitunter unhörbar. Aber sie sind da. Sie sprechen zu uns – und wir sollten in unserem eigenen Interesse auf sie hören.
In schwierigen Fällen reichen aber die inneren Kraftquellen nicht aus, um uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Wir brauchen dann Hilfe von außen. Ist es dann nicht zwingend erforderlich, einen Fachmann aufzusuchen? Nein, keineswegs. In einigen Artikeln der Web Site "Psychoprobleme“ werden wissenschaftliche Untersuchungen vorgestellt, die begründete Zweifel an den Methoden, den Heilmitteln und der besonderen Kompetenz der Psycho-Experten wecken.
Es zeigt sich nämlich, dass alle Methoden gleichermaßen wirksam sind, dass die Ausbildung und Berufserfahrung keine Rolle spielen für den Erfolg der Behandlung und dass die Wirkung der Heilmittel, der sog. Psychopharmaka überwiegend auf dem Placebo-Effekt beruht. Sie wirken also weitgehend nur darum, weil Sie daran glauben.
Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die Hauptarbeit in einer Psychotherapie oder einer Psychopharmaka-Behandlung der Patient bzw. Klient selbst erledigt. Die Unterstützung, die er von einem professionellen Helfer, einem Psychiater oder Psychotherapeuten erhält, könnte ihm auch ein verständnisvoller Freund gewähren. Dieser Freund kann genauso wenig wie der Psychiater oder Psychotherapeut die seelische Störung heilen, dies kann nur der Betroffene selber tun. Nur er kann sich verändern.
Die Seele ist kein Auto, keine Nähmaschine oder Kaffeemühle, die von einem Monteur repariert werden kann. Sie ist auch kein Computer, bei dem man untaugliche Programme einfach auswechselt. Die Seele, das sind Sie selbst! Hilfe von außen kann nützlich sein. Ein Freund oder ein professioneller Helfer können Anregungen und Rückmeldung geben, Ideen und Wissen beisteuern, neue Perspektiven eröffnen. Diese äußeren Hilfsquellen müssen aber sie selber nutzen – und dies können auch nur Sie selber, niemand sonst.
Je sparsamer Sie die äußeren Hilfsquellen nutzen, desto bedeutender werden die inneren Kraftquellen. Sie sprudeln umso kräftiger, je häufiger sie ihre Heilkraft in Anspruch nehmen. Dadurch stärken Sie Ihre Widerstandskraft gegenüber Belastungen, dadurch schulen Sie Ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen, dadurch lernen Sie, Ihre Gefühle zu beherrschen und in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren.
Wenn Sie sich aber an einen Fachmann wenden, der mit der Krankenkasse abrechnet, dann wird er Ihnen eine Psychodiagnose verpassen. Diese besagt, dass Sie an einer behandlungsbedürftigen psychischen Krankheit leiden. Selbst wenn Sie ein gesunder Instinkt davor warnt, dies als bare Münze zu nehmen, selbst dann wird diese Diagnose ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigen und auf diesem Wege ihre Lebensfreude mindern. Und dies können Sie in einer schwierigen Situation am allerwenigsten gebrauchen.
Bedenken Sie auch, dass Sie diese Diagnose vor anderen geheim halten müssen. Sonst droht Ihnen der Verlust von Freunden, des Ehepartners, des Arbeitsplatzes. Sie können in die soziale Isolation geraten, wenn bekannt wird, dass Ihnen eine Psychodiagnose als Etikett angeheftet wurde. Es versteht sich von selbst, dass die sozialen Auswirkungen der Diagnose, selbst wenn sie nicht so extrem sind, Ihre Selbstheilungskräfte schwächen werden.
Etwas besser sind sie dran, wenn sie sich einem psychologischen Berater anvertrauen, der keine Diagnose stellt. Aber auch in einer solchen Beratungssituation werden sie vermutlich den Berater als Heiler betrachten, ohne den sie es nicht geschafft hätten. Ihr Selbstvertrauen wird dann nicht in dem Maße wachsen, als wenn sie es allein geschafft hätten.
Noch besser ist es, Rat bei einem Freund zu suchen. Denn dieser gibt ja nicht vor, ein Heiler zu sein. Wenn sich Ihre Lage also verbessert, dann hat Ihnen das Gespräch mit dem Freund zwar geholfen. Aber anders als in einer Heiler-Patient-Beziehung werden Sie nicht dazu verführt, den Freund als Grund für die Veränderung zum Positiven anzusehen. Er war eine Hilfestellung, die Veränderung aber erfolgte aus eigener Kraft.
Das ist wichtig. Die Heilung der Seele ist immer eine Selbstheilung. Dies zu erfahren, sich dies bewusst zu machen, ist der beste Schutz vor weiteren psychischen Störungen. Wenn Sie von dieser Erkenntnis durchdrungen sind, dann kann Ihnen sogar ein professioneller Helfer nicht schaden. Sie werden ihn dann einsetzen oder auch benutzen wie einen Tennis- oder Fahrlehrer. Sie werden aber nicht die Verfügungsgewalt über Ihre Seele an ihn abtreten. Ihre Seele gehört nur Ihnen.
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