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Es gibt kaum ein Thema, das mit mehr Tabus behaftet ist als "Rauschgift" - nicht einmal Sex. Daher ist auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema höchst irrational. Es scheint "gute" und "böse" Substanzen zu geben, die Räusche auslösen.
Wenn wir uns einen fröhlichen Genießer vorstellen, der zu einem guten Essen ein Glas Wein trinkt, so fällt es uns natürlich schwer, in ihm einen Konsumenten von Rauschgift zu sehen. Doch dies ist zweifellos der Fall. Es gibt keinen sprachlichen oder wissenschaftlichen Grund, Alkohol nicht zu den Rauschgiften zu zählen. Der gelegentlich geäußerte Einwand, Alkohol sei kein Rauschgift, sondern ein Genussmittel, ist nicht stichhaltig. Schließlich sind Heroin, Kokain, Haschisch oder andere illegale Drogen ebenfalls Genussmittel. Würden sie ihren Konsumenten keinem Genuss verschaffen, so würden sie auch nicht missbraucht.

Der Grund für unser Unbehagen, Alkohol als Rauschgift zu bezeichnen, ist ein soziolinguistischer, hängt also mit der sozialen Funktion von Begriffen zusammen. Rauschgift ist nämlich ein zumeist "pejorativ" verwendeter Begriff. Durch ihn werden die Konsumenten der so bezeichneten Stoffe abgewertet. Da aber die überwiegende Mehrheit der Menschen in unserem Lande zumindest gelegentlich Alkohol konsumiert, der Konsum dieses
Rauschgifts also durchaus normal ist, möchte man die Mehrheit der Mitbürger natürlich nicht durch ein negatives sprachliches Etikett diskriminieren.
Zwei Freunde treffen sich.
Fritz: „Neulich habe ich ein Buch über die Gefährlichkeit des Alkohols
gelesen. Verdammt überzeugend, sage ich Dir!„ Franz: "Und? Schon
Konsequenzen gezogen?"
Fritz: "Na klar. Ich habe sofort das Lesen aufgegeben!"
Dieser kleine Witz beruht auf einer alltäglichen Erfahrung: Viele wollen gar nicht darüber nachdenken, daß ihr "Lebenselexier", ihr kleiner Sorgenbrecher in Wirklichkeit im wahrsten Sinne des Wortes ein Rauschgift ist. Alkoholiker-Witze reizen bekanntlich oft nicht nur zum Lachen; sie sind auch das beste Plädoyer gegen den Alkolmißbrauch. Dies zeigt zum Beispiel auch Reinhold Aßfalgs bemerkenswerte Sammlung von Witzen zu diesem Thema. Dieses Buch ist leider vergriffen. Es wäre zu begrüßen, wenn sich der Verlag (Neuland) zu einer Neuauflage durchringen könnte.
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