Kontakt: eMail | Beratungstelefon: 0911-9197442 | (kostenpflichtig: € 10,00 pro 15 Min., Erstgespräch kostenlos)
Nur ein vetrockneter Stockfisch könnte die Freuden des Alkoholgenusses leugnen. Wer nicht genießt Wein, Weib, Gesang... Die Sache hat nur zwei Haken: Die Frauen mögen keine besoffenen Männer und der Gesang...
Auf der rationalen Ebene wissen wir durchaus, daß sich der maßvolle Trinker und der schmutzstarrende Penner dieselbe Droge zuführen, nämlich Alkohol. Unbewusst wird Alkohol jedoch in "guten Alkohol" und "bösen Alkohol" aufgespalten. Und so kann der brave Bürger sich unverzagt ein Gläschen guten Alkohols genehmigen. Er sieht sich nicht von der Gefahr bedroht, der jene armseligen Knechte des bösen Alkohols erlegen sind, die unter Brücken, in Männerwohnheimen oder Trinkerheilanstalten hausen. Der "gute Alkohol" ist ein "edles Tröpfchen", das die Lebensgeister weckt und bei dem man seine Sorgen vergessen kann. Der "böse Alkohol" hingegen ist ein teuflischer Trank, dem moralisch fragwürdige Gestalten nun einmal nicht widerstehen können.
Der Stoff mit so herzigen Kosenamen wie Gersten-, Rebensaft oder Wässerchen enthält eine Substanz mit dem wissenschaftlichen Namen "Äthylalkohol" (Äthanol), die zu den giftigen Kohlenwasserstoffen gehört. Akute Symptome der Vergiftung sind Hyperventilation (extrem gesteigerte Atmung), psychomotorische Erregung, später Lähmungen, Hypoglykämie (Unterzucker), erhöhte Hauttemperatur bei erniedrigter Körperkerntemperatur. Ab 2 Promille setzen narkotische Wirkungen ein.
Nach dem Trinken gelangt der Alkohol durch den Magen in den Dünndarm, wo er schnell absorbiert und im gesamten Körper verteilt wird. Der Stoff durchdringt das Körpergewebe proportional zum Wassergehalt. Daher findet sich mehr Alkohol im Blut und im Gehirn, als in den Muskeln und im Zellgewebe. Der Alkohol wird durch die Körperflüssigkeit sehr stark verdünnt. Wenn ein 70-Kilo-Mann sich zum Beispiel einen ordentlichen Schluck guten, alten Whiskey genehmigt und dabei 15 mL Äthanol zu sich nimmt, wird der Stoff ca. 5000fach verdünnt und führt zu eine Blutalkoholspiegel von 0,02 %.
Sofort nach der Konsumption beginnt der Körper, den Alkohol abzubauen. Mehr als 90 Prozent wird von der Leber verarbeitet. Dort wird er in Azetaldehyd umgesetzt, ein ebenfalls giftiger Stoff. Dieser wird sofort durch das Aldehyd-Dehydrogenase-Enzym zu Azetat-Ionen oxidiert. Dabei werden Wasserstoffatome freigesetzt. Für den weiteren Abbau sorgt das NAD (Nicotinamid-adenin-dinucleotid), sowie das NADH (auch reduziertes NAD). Durch Aufnahme von Wasserstoffatomen verwandelt sich das NAD in NADH, beim weiteren Abbau des Alkohols muß das NADH wieder in NAD zurückverwandelt werden.
Wer regelmäßig übermäßig trinkt, mutet seiner Leber also Schwerstarbeit zu. Daß chronischer Alkoholismus nicht selten zu lebensbedrohlichen Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose, Leberkrebs) führt, ist daher nicht erstaunlich. Wer mit seiner Leber auf Kriegsfuß steht, lässt sich vielleicht durch derartige Prognosen nicht beirren. Weiss er doch: "Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, bleibt ein Narr sein Leben lang." Wer möchte schon ein Narr sein? Also sollten wir uns nun damit beschäftigen, was der Alkohol mit den kleinen Grauen Zellen anstellt.
Alkohol übt zwei einander entgegengesetzte Wirkungen auf das Zentrale Nervensystem (ZNS) aus: Es ist einerseits ein Beruhigungsmittel, das die Aktivität der Nerven dämpft. Andererseits ist es aber auch ein zentralnervös erregendes Mittel. Die sedierende Wirkung ist stärker, dauert aber nur ein Sechstel so lang wie der schwächere erregende Effekt. In welchem Ausmaß diese beiden Wirkungen erlebt werden, hängt allerdings nicht nur von den pharmakologischen Eigenschaften der Droge Alkohol, sondern auch von den äußeren Umständen ab. Wer allein in einer ruhigen Umgebung trinkt, wird eher schläfrig als der gesellige Trinker, der etwa auf ein Party lauter und häufiger spricht als im nüchternen Zustand.
Im übrigen spielt natürlich auch die Persönlichkeit des Alkoholkonsumenten eine Rolle. Da die erregende Wirkung länger anhält als die sedierende, wird sie, wenngleich am Anfang schwächer, mit zunehmendem zeitlichen Abstand nach dem letzten Drink relativ stärker und schließlich dominant. Dies ist ein Grund, warum chronische Alkoholiker nach dem Aufwachen erst einmal einen soliden Schluck aus der Flasche brauchen, um das Zittern zu unterdrücken. Dadurch wird natürlich ein Teufelskreis ausgelöst. Die entgegengesetzten Wirkungen des Alkohols (Beruhigung und Erregung) sind eine wesentliche physiologische Basis der Suchtdynamik dieses Rauschgifts.

Das Stirnhirn, der Bereich des Lobus Frontalis, steuert das rationale Denken, Urteilen und Bewerten. Dort stellt der Alkohol sein beachtliches, karnevalistisches Talent unter Beweis. Wird dieser Hirnbereich dem Alkohol ausgesetzt, haben Vorsicht, Common Sense, und gesunde Hemmungen das Nachsehen. Das Mittelhirn reguliert u. a. die Muskelkontrolle. Der Alkohol fördert die Kreativität des Mittelhirns und hilft ihm, aus der Norm fallende Bewegungsmuster zu komponieren. Das Hinterhirn steuert grundlegende körperliche Funktionen wie die Atmung oder die Herzrate. Die tödliche Alkoholdosis ist bei etwa 4 Promille anzusetzen; die Todesursache besteht in einer zentralen Atemlähmung,
Alkohol beeinträchtigt die Gehirntätigkeit jedoch nicht nur bei akuter Vergiftung; in Abhängigkeit von der Trinkmenge und der Dauer des Missbrauchs können sich auch permanente, schlimmstenfalls sogar irreversible (nicht umkehrbare) Schäden einstellen. Obwohl einige Studien darauf hindeuten, lassen sich dauerhafte Einbußen der Leistungsfähigkeit des Gehirns bei sozialen Trinkern nicht nachweisen. Anders sieht dies allerdings bei Alkoholikern aus, die sich in Behandlung befinden. Diese haben ja in der Regel bereits eine längere Suchtkarriere hinter sich. 45 bis 70 Prozent dieser Patienten weisen spezifische Defizite auf, und zwar in den Bereichen: Problemlösen, abstraktes und konzeptionelles Denken, psychomotorische Koordination und schwierige Gedächtnisaufgaben. Ca. 10 Prozent der langjährigen, chronischen Alkoholiker ziehen sich schwere, irreversible Hirnschäden zu. Die Hauptformen sind das Wernicke-Korsakow-Syndrom und die Alkohol-Demenz.
Schließen Sie nun die Augen. Sie sind müde geworden vom Lesen. Entspannen Sie sich. Stellen Sie sich eine Flasche vor, die ungefähr so groß ist wie ein zweistöckiges Haus. Daneben steht eine rassige Frau mit langen schwarzen Haaren. Sie trägt ein rotes Cocktailkleid mit einer meterlangen Schleppe. Die Schleppe flattert im Wind. Ihr feuriges Rot lodert über den Flaschenhals hinaus. Wir betrachten die makellosen, langen Beine der Frau mit stillem Vergnügen. Ein temperamentvoller Sekt. Spritzig. Spanisch.
Mit dem Begriff „Wernicke-Korsakoff-Syndrom„ werden zwei Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Symptomatik, aber gleicher Entstehungsgeschichte zusammengefaßt, nämlich das Korsakow-Syndrom sowie die Wernicke-Enzephalopathie. Beim Korsakow-Syndrom stehen schwerwiegende Störungen der Merkfähigkeit und des Neugedächtnisses im Vordergrund. Die Erkrankten leiden unter Denkstörungen, sind unfähig, komplizierte Zusammenhänge zu erfassen. Im fortgeschrittenen Stadium vergessen die Kranken mitunter sogar, Alkohol zu trinken.
Die Wernicke-Enzephalopathie ist durch folgende Hauptsymptome gekennzeichnet: Bewusstseinstörungen mit Bewußtseinseintrübung, Desorientiertheit und Apathie; Bewegungsstörungen; Störungen der Augenbewegung. Die Alkohol-Demenz ist ein schwerwiegender, irreversibler Verlust intellektueller Fähigkeiten, der durch mindestens eines der folgenden vier Merkmale gekennzeichnet ist: Beeinträchtigung des abstrakten Denkens; beeinträchtigtes Urteilsvermögen; andere schwere Beeinträchtigungen geistiger Leistungen, wie zum Beispiel Sprachstörungen; gravierende Persönlichkeitsveränderungen.
Viele sind geneigt, Menschen mit derart schweren Hirnschäden aufs Abstellgleis zu schieben. Daß diese Menschen dennoch keineswegs hoffnungslos verlorene, lebende Leichen sind, verrät das folgende Beispiel. Der Mensch, von dem diese Anekdote berichtet, lebt in einer Einrichtung für Chronisch Abhängige. Es handelt sich um einen Bewohner mit Korsakow-Syndrom. Sein Gedächtnis ist so schwer gestört, daß er sogar sein Geburtsdatum vergessen hat. Folgender Dialog ist verbürgt:
Sozialarbeiter: "Fritz, sag’ mal, wie alt bist du denn?"
Fritz: "Aber in meinem Alter fragt man doch so etwas nicht mehr!"
Dieses Beispiel habe ich nicht erfunden. Fritz bemüht sich mit bemerkenswertem Lebenswillen und Witz, seine Behinderung vergessen zu machen und trotz seiner Beeinträchtigung an der alltäglichen Kommunikation teilzunehmen.
Psychologische Beratung via eMail oder Telefon
© Dipl.-Psych. Dr. Hans Ulrich Gresch / Web Design: Matthew James Taylor.