Die
hier beschriebenen Therapieziele ergeben sich aus dem gewählten theoretischen
Ansatz, der Psychoanalyse. Die anderen gebräuchlichen Methoden zur
Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung streben zum
großen Teil ähnliche Ziele an, beschreiben sie allerdings mit
anderen Begriffen.
Es ergibt sich aus der Natur der Sache, dass die beschriebenen Ziele zumindest zu Beginn der Therapie häufig nicht mit den Zielen des Borderline-Patienten übereinstimmen werden. Denn dieser möchte in der Regel zwar jene Symptome loswerden, die ihn quälen oder die sich nachteilig für ihn auswirken, aber er möchte dennoch sein "Grundmuster" der Wirklichkeitsverarbeitung, seinen Borderline-Lebensstil behalten, denn dieser gibt ihn letzlich auch Sicherheit, verschafft ihm Vorteile und war für "Erfolge" in der Vergangenheit verantwortlich.
Erst wenn der Patient beginnt, seinen Borderline-Lifestyle und die zugrunde liegende Borderline-Philosophie zu hinterfragen, wird er u. U. die von der Psychoanalyse vorgegebenen Therapieziele in sein eigenes Ziel-Konzept einbeziehen. Solange dies nicht der Fall ist, wird er womöglich Lippenbekenntnisse für diese Therapieziele abgeben, deren Rationalität er ja auch nicht mit guten Gründen leugnen kann, aber er wird ihnen dennoch Widerstand entgegensetzen.
Man muss immer im Auge behalten, dass unsere Gesellschaft den Borderline-Lifestyle fördert. Dementsprechend wird diese Art des Umgangs mit Wirklichkeit natürlich auch verstärkt. Der Patient, der die Hilfe eines Psychotherapeuten sucht - mehr oder weniger freiwillig - hat sich vielleicht - symptombedingt - eine "blutige Nase" geholt, aber er lässt sich dennoch, bewusst oder unbewusst, von der Auffassung leiten, dass er sich nicht grundlegend ändern, sondern seinen Borderline-Lifestyle nur besser verkaufen müsse.
In dieser frühen Phase der Behandlung muss der Therapeut die Kunst der Enterscheidung beherrschen: Wo "ist alle Liebesmüh" vergebens" und wo ist Einsicht möglich?