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Borderline-Persönlichkeiten haben eine bestenfalls widersprüchliche, in der Regel aber nur nebelhafte Vorstellung von sich selbst. Sie kennen ihre Gefühle und Wünsche nicht und wissen daher auch nicht, wie sie mit den Gefühlen und Wünschen anderer Menschen umgehen sollen.
Wenn wir mit Thomä und Kächele[38] das triebhafte Suchen nach sexuell-ödipalen und prägenitalen Befriedigungen als wesentlichen Bestandteil im Aufbau des Selbstgefühls deuten, so liegt es auf der Hand, dass früh gestörte Menschen dysfunktionale Formen der Selbstwertregulation entwickeln und so der Basis beraubt werden, auf der eine erwachsene, reife Identität entstehen kann.
"Klinisch gesehen manifestiert sich die Identitätsdiffusion in geringer Integration des Selbstkonzepts und des Konzepts von bedeutsamen anderen Menschen. Sie reflektiert sich in der subjektiven Erfahrung chronischer Leere, in widersprüchlichen Selbstwahrnehmungen, in widersprüchlichem Verhalten, das nicht in emotional bedeutungsvoller Weise integriert werden kann, und in oberflächlichen, flachen, beschränkten Wahrnehmungen von anderen." [39]
Besonders in Stresssituationen kann sich die Identitätsdiffusion zu mehr oder weniger schweren Formen der "Multiplizität" aufschaukeln. Dies bedeutet, dass sich die Betroffenen so verhalten, als ob mehrere, unterschiedliche Persönlichkeiten unter ihrer Schädeldecke wohnten.
Die Identitätsdiffusion scheint einerseits als Abwehr gegen Angst und Schuld zu fungieren, ist andererseits aber auch mit der Gefahr von Auflösung und Tod verbunden. Bestimmte Abwehrformen könnten also durchaus eine kompensierende Funktion besitzen, die das diffuse Selbst vor der Vernichtung schützen und das Überleben sichern sollen. Hierzu zählt Edwards die magische Allmacht, die Idealisierung, die Manipulation und zwanghafte Kontrolle. [40]
Gerade die zwanghafte Kontrolle wirft ein bezeichnendes Licht auf die innere Dynamik mancher Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen. Eigene Konflikte, Defizite und Schwächen werden abgespalten und externalisiert, das heißt im Sinne einer projektiven Identifizierung auf Objekte in der Außenwelt verteilt. Da diese Persönlichkeiten aber zur Verdrängung weitgehend unfähig sind, bleiben sie sich der projizierten Konflikte, Defizite und Schwächen durchaus bewusst. Weil sie aber im diffusen Selbst nicht beherrscht werden können, müssen sie in der klarer strukturierten Außenwelt kontrolliert werden. In ihrer Phantasie werden diese Borderline-Persönlichkeiten zu "Körperfressern", die in andere Menschen eindringen, um diesen zu schaden oder um sie zu beherrschen. Sie möchten die Anderen also nicht von außen beeinflussen, sondern sie von innen steuern.
Die Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen muss den Patienten helfen, ihre Selbst-Konzept-Fragmente und ihre brüchigen Konzepte anderer Menschen zu klären, anzureichern, von Widersprüchen zu reinigen und zu integrieren.
Beratung für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und deren Angehörige via eMail oder Telefon
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