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Die zentralen Persönlichkeitsmerkmale eines Borderliners sind die Resultate einer chronisch gestörten Regulation des Selbstwertgefühls und einer Überempfindlichkeit gegenüber jeder echten oder mutmaßlichen Infragestellung des Selbstwerts. Von der Nazisstischen Persönlichkeit unterscheidet sich die Borderline-Persönlichkeit vor allem durch die weitaus geringere Selbstbeherrschung und die größere Aggressivität. Doch die Unterschiede sind nur graduell.

Borderline-Wut: Die für Borderline-Patienten charakteristischen Wutausbrüche können sogar erfahrene und charakterfeste Psychotherapeuten einschüchtern. Sie wagen dann nicht, sich den Wünschen der furchteinflößenden Patienten zu widersetzen. Dies kann dazu führen, dass die Therapeuten keine eindeutigen Grenzen ziehen oder nicht konsequent genug auf deren Einhaltung bestehen. Die Furcht vor potentieller Borderline-Wut kann Therapeuten dazu verführen, sich auf unüblich intensive persönliche Interaktionen mit den Patienten einzulassen und zum Beispiel deren Fragen nach eigenen Ehe- oder Sexproblemen zu beantworten.
Eine besondere Form der Borderline-Wut stellt die rachsüchtige Feindseligkeit dar, die sich natürlich auch als falsche Anschuldigung gegenüber dem Therapeuten äußern kann.
Bedürftigkeit/Abhängigkeit: Diese Eigenschaften des Borderline-Patienten können den Therapeuten zu einen Über-Engagement verführen. Rettungsphantasien und der Wunsch, den Patienten nicht so schlecht zu behandeln, wie es andere getan haben, können die Neigung des Therapeuten verstärken, sich dem Patienten in untherapeutischer Weise zuzuwenden. Viele Borderline-Patienten wünschen sich in bestimmten Phasen des therapeutischen Prozesses, dass der Therapeut all ihre Wünsche befriedigen möchte, und zwar nicht nur die therapeutischen. Entsprechend kann dieses Verhalten beim Therapeuten die Phantasie auslösen, das "Ein-und-Alles" für den Patienten zu sein.
Da viele Borderline-Patienten und generell viele Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen in ihrer Kindheit und Jugend sexuell mißbraucht worden sind [64] , könnten sie gelernt haben, sich in einer abhängigen Beziehung sexuell provozierend und verführerisch zu verhalten - der Motor dieser Verhaltensstörung ist eine unbewusste oder auch manifeste Angst vor dem Menschen, von dem sie sich abhängig fühlen. Man sollte dieses Verhalten also vor allen in stark angstbesetzen Phasen der Therapie erwarten.
Grenz-Konfusionen: Die Fusionsneigung von Borderline-Patienten, verbunden mit projektiver Identifizierung, kann auch beim Therapeuten Schwierigkeiten mit der Grenzziehung hervorrufen. Wenn es dem Therapeuten nicht gelingt, sich diesen Fusionen zu entziehen, dann wird die therapeutische Beziehungen von den Sehnsüchten, intensiven Affekten, Wünschen und verzerrten Wahrnehmungen des Patienten dominiert.
Manipulationsneigung und narzisstisches Anspruchsdenken: Borderline-Patienten, die in vielen Lebensbereichen unter erheblichen Einschränkungen leiden, besitzen dennoch zumeist eine hochentwickelte Manipulationsfähigkeit. Daher gelingt es ihnen mitunter auch sehr leicht, Therapeuten dazu zu bringen, etwas zu tun, was sie besser unterlassen, bzw. etwas zu unterlassen, was sie besser getan hätten. Dem narzisstischen Anspruchsdenken des Borderline-Patienten entspricht dem Gefühl, etwas Besonderes zu sein, und nur zu leicht können Therapeuten geneigt sein, sich gegenüber den Patienten entsprechend zu verhalten.
"Die narzisstische Isolation der Zweierbeziehung, die aus dieser Form der Fehlbeziehung resultiert, scheint teilweise das Versagen vieler dieser Therapeuten zu erklären, sich beraten zu lassen oder auch nur das eigene kritische Urteil zu gebrauchen. Es ist, als ob solche Maßnahmen die empfindliche magische Blase zerstören könnten, in der all diese Gratifikationen auftauchen." ("The narcissistic isolation of the dyad that results from this sort of misalliance appears to account in part for the failure of so many of these therapists to obtain consultation or even to use their own critical judgment. It is as though such measures would break the fragile magic bubble in which all this gratification is occurring.") [65]
Wenn Probleme, nicht nur im Bereich der Sexualität, bei der Behandlung schwer persönlichkeitsgestörter Patienten angemessen diskutiert werden sollen, so muss diese "magische Blase" eine zentrale Rolle spielen. Als Erscheinungsform der Fusion, die für den therapeutischen Kontext charakteristisch ist, wird sie unweigerlich auftauchen. Und sie muss auftauchen, weil anders die Übertragung-Gegenübertragung nicht angemessen bearbeitet werden könnte. Die Kunst des Therapeuten besteht darin, die "magische Blase" im rechten Augenblick platzen zu lassen, ohne dabei die therapeutische Beziehung oder gar den Patienten zu zerstören.
Geborgen in der "magischen Blase" erlebt der Patient den Therapeuten als unerschöpfliches Füllhorn, aus dem köstliches Nass sprudelt, sobald es nur an die Lippen gesetzt wird. Das Aussprechen eines Wunsches und dessen Befriedigung sollen zur gleichen Zeit erfolgen. Sollte dies nicht geschehen, ist mit Ausbrüchen der Borderline-Wut zu rechnen. Hier geht es darum, eine heilsame Enttäuschung zu setzen und den Patienten zugleich erfahren zu lassen, dass er mit seiner Borderline-Wut nichts erreicht, dass kein manipulativer Trick und auch keine magische Beschwörung die "Blase" wiederherzustellen vermag. [66]
Randbemerkungen zur psychotherapeutischen Methode
Beratung für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und deren Angehörige via eMail oder Telefon
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