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Lange Zeit hielten Psychoanalytiker Borderline-Patienten für nicht analysierbar. Bestenfalls ein unterstützender Ansatz sei für sie geeignet. Inzwischen wurden allerdings aufdeckende, interpretierende Verfahren entwickelt und mit Erfolg praktiziert.

Freud konzipierte seine Behandlungsmethode in den Begriffen des Ödipuskonflikts und in einer der Erwachsenensprache angenäherten Terminologie. Es ist daher nicht weiter erstaunlich, dass Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen, bei denen eine frühe, präödipale Traumatisierung anzunehmen ist, zunächst für nicht analysierbar gehalten wurden. Als nach dem zweiten Weltkrieg das Problem der "frühen Störungen" das Interesse der Psychiater im allgemeinen und der Psychoanalytiker im besonderen fand, wurde für diesen Personenkreis überwiegend eine sog. supportive, eingeschränkte Behandlung vorgeschlagen.
"Die Mehrheit der frühen Autoren, die sich zur Borderline-Störung äußerten, rieten zum unterstützenden Ansatz. Sie versuchten, die Regression zu begrenzen, die Abwehr zu verstärken und zu verhindern, dass die Übertragung zu intensiv wurde."("The majority of early writers on the borderline... advised a supportive approach. They sought to limit regression, strengthen defenses, and prevent the transference from becoming too intense.") [90]
Dabei fühlte man sich nach Aronson [91] mehrheitlich den folgenden Therapieprinzipien verpflichtet:
Die Schriften Kernbergs in den siebziger Jahren stellen, so Aronson [95] , eine "Wasserscheide" in der Behandlung des Borderline-Syndroms dar. Nun wurde den aufdeckenden, interpretativen Verfahren wieder verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt. Das therapeutische Ziel beschränkte sich nicht mehr auf die Förderung der Anpassung, sondern bezog sich auf einen grundlegenden Wandel der Persönlichkeitsstruktur. Die Therapie wurde intensiver, regressiver und extensiver (mehrere Sitzungen pro Woche). Dabei sollte die therapeutische Beziehung als Ersatz der Kernfamilie fungieren, die bei ihrer Aufgabe versagt hatte, eine Matrix der Individuation und des Wachstums bereitzustellen. Die Regression wird gefördert, toleriert und als essentiell für den Prozess des Durcharbeitens eingeschätzt. Desgleichen wird die Interpretation des Widerstandes als notwendig für den Heilungsprozeß betrachtet.
Von der klassischen Analyse unterscheiden sich diese expressiven Techniken vor allem durch die Rolle des Therapeuten: "Es herrscht eine ziemlich gleichförmige Übereinstimmung, dass Therapeuten eine aktive Rolle in der Behandlung spielen müssen. Sie sind keine undurchsichtigen Spiegel. Sie müssen in jedem Augenblick sorgfältig das Ausmaß der notwendigen Unterstützung herausfinden, aber im allgemeinen versuchen, so viel zu interpretieren, wie der Patient tolerieren oder gebrauchen kann." ("There is fairly uniform agreement that therapists must play an active role in treatment. They are not opaque mirrors. They must carefully titrate the amount of support needed in any given moment, but in general try to interpret as much as the patient can tolerate or use.") [96]
Der Therapeut konfrontiert die Patienten mit destruktiven und selbstdestruktiven Verhaltensweisen, macht sie dafür verantwortlich, ermutigt sie zu Verbalisierungen anstelle des Ausagierens und er fokussiert charakteristische Themen wie Verlassenheitsgefühle (Depression, Wut, Angst, Schuld, Hilflosigkeit, Leere [97] ) und Spaltungs-Mechanismen.
Die expressiven Therapien beruhen nach Aronson auf folgenden Grundprinzipien:
Obwohl sich die einzelnen Analytiker vielleicht stärker auf dem Papier als in der therapeutischen Praxis unterscheiden dürften, zeichnet allein eine Gegenüberstellung therapeutischer Ansätze in der Dimension "supportiv-expressiv" ein überaus widersprüchliches Bild der Behandlungsmethoden bei schwer persönlichkeitsgestörten Patienten. Dieses Bild wird noch verwirrender, wenn wir nicht psychoanalytisch orientierte Verfahren in die Betrachtung einbeziehen. Dies wird, allerdings eher kursorisch, in einem späteren Teil der Arbeit erfolgen.
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In der psychoanalytischen Behandlungstechnik versteht man unter einer Übertragungsneurose ein künstliche Neurose. Sie entsteht dadurch, dass der Patient neurotische Haltungen, Einstellungen, Empfindungen, die er gegenüber wichtigen Personen in seiner Kindheit empfunden hat, nun auf den Psychoanalytiker überträgt. Indem die Übertragungsneurose bewusst gemacht und aufgeklärt wird, kann auch die infantile Neurose aufgedeckt und geheilt werden.
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