Der israelische Psychologe Reuven Feuerstein ist ein Pionier der Intelligenzförderung bei Kindern. Häufig dem Zeitgeist und dem wissenschaftlichen Mainstream widersprechend, vertraute er seit Beginn seiner Forschungen in den vierziger Jahren des 20. Jhs auf die Entwicklungsmöglichkeiten sogar geistig behinderter Kinder.

Biographie

Der Psychologe Dr. Reuven Feuerstein studierte in Genf bei Jean Piaget, Andre Rey, Bärbel Inhelder und Marguerite Loosli Uster. Der Einfluß der "Genfer Schule" auf die Arbeit von Feuerstein ist unverkennbar. Piaget und seine Mitarbeiter untersuchten die Entwicklung aller Voraussetzungen und psychologischen Prozesse, die mit dem Erkennen der Wirklichkeit verbunden sind. Eine weitere, wesentliche Quelle der Konzeption Feuersteins sind Arbeiten des sowjetischen Psychologen Wygotski. Piaget und Wygotski teilen die Auffassung, dass sich das Erkenntnisvermögen (die Intelligenz) in der aktiven Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt entwickelt.

Prof. Reuven Feuerstein ist Vorsitzender des Internationalen Zentrums zur Steigerung des Lernpotenzials mit Sitz in Jerusalem. Diese Organisation widmet sich der Forschung, Ausbildung und Intelligenzförderung. Sie wurde der israelischen Regierung als gemeinnützig anerkannt.

Feuerstein flüchtete 1944 vor den Nazis nach Israel. Er arbeitete mit Kindern, die während des Holocausts von ihren Eltern getrennt worden waren und in Waisenhäusern aufwuchsen. In den fünfziger Jahren untersuchte er im Auftrag des israelischen Erziehungsministeriums  die Integrationsmöglichkeiten von nordafrikanischen Juden, die während der zweiten großen Immigrationswelle ins Land gekommen waren. Sowohl die Waisenhauskinder, als auch die nordafrikanischen Juden litten vielfach unter schweren emotionalen Störungen, und gleichzeitig waren ihre intellektuellen Leistungen stark eingeschränkt. Feuerstein war jedoch davon überzeugt, dass die niedrigen Intelligenztestwerte dieser Gruppen - zumindest teilweise - nicht durch fehlendes intellektuelles Potential, sondern vor allem auch durch die grauenhaften Erfahrungen, die diese Menschen durchlitten hatten, erklärt werden mussten.

Kognitive Defizite

Feuerstein diagnostizierte schwerwiegende kognitive Defizite, die naturgemäß zu Lernblockaden führen mussten. Zu ihnen zählten:

  • Impulsivität
  • Unfähigkeit zum Vergleich zwischen verschiedenen Objekten und Ereignissen
  • Schwierigkeiten bei der räumlichen Orientierung
  • Unfähigkeit zu planvollen Verhalten
  • Unfähigkeit, Ursache und Wirkung miteinander zu verbinden.
Kinder im Schatten

Feuerstein interpretierte diese Defizite als Ausdruck der Tatsache, das seine Versuchspersonen passive Opfer einer chaotischen Welt geworden waren. Diese Welt hatte es ihnen nicht gestattet, zu kreativen und effektiven Informationssuchern und Nutzern zu werden.

Diese Einsicht gab den Anstoß zur Entwicklung eines Förderprogramms zur Überwindung dieser Defizite.

Weltweite Verbreitung

Feuersteins Methodik zur Förderung geistiger Fähigkeiten wird heute in 25 Staaten und allen Erdteilen praktiziert. Sogar in der Volksrepublik China ist es auf großes Interesse gestoßen. Zahlreiche empirische Studien belegen die Effizienz des Konzepts. Inzwischen haben sich weltweit mehr als 1000 Forschungsprojekte mit der Arbeit Feuersteins auseinander gesetzt. Diese Studien beziehen sich auf alle Altersgruppen, unterschiedlichste Rahmenbedingungen (vom Dschungel bis zum High-Tech-Studienzentrum) und alle Grade der Befähigung von der höchstgradigen geistigen Behinderung bis hin zur Hochbegabung.

Inhalt


Jean Piaget

Das zentrale Interesse des Schweizer Psychologen, Soziologen und Wissenschaftshistorikers Jean Piaget (1896 - 1980) galt der Frage, wie sich menschliches Wissen entwickelt. Er war davon überzeugt, dass diese Entwicklung ein Prozess der Konstruktion logischer Strukturen ist. Diese Strukturen ersetzen einander im Lauf der Entwicklung bis zum Erwachsenenalter. Dabei werden einfachere, weniger mächtige logische Fähigkeiten fortschreitend in effektivere logische Denkformen integriert. Daher sind die Logik von Kindern und die ursprünglichen Formen kindlichen Denkens grundlegend von der Logik und den Denkweisen Erwachsener unterschieden.

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