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Das Feuerstein-Training schult die Grundfertigkeiten des menschlichen Denkens. Diese Fertigkeiten sind erforderlich, um komplexe Situationen zu analysieren. Doch die Fähigkeit, die richtige Mixtur dieser Fertigkeiten bei der Lösung realitätsnaher Probleme zusammenzustellen, wird durch des Instrumental Enrichment Program nicht gezielt gefördert.

Es ist empirisch belegt, dass "Instrumental Enrichment Programs" selbstverständlich auch mit Erwachsenen erfolgreich durchgeführt werden können. Dies entspricht dem Konzept der "Cognitive Modifiability", nach dem sich die kognitive Struktur lebenslang weiterentwickeln kann. Der beschleunigte technische, soziale und organisatorische Wandel in unserer Arbeitswelt zwingt alle Beschäftigten zum beständigen Erwerb neuen Wissens. Programme zur Entwicklung der kognitiven Struktur und zum Training der intellektuellen Grundfertigkeiten können auch Erwachsenen helfen, Probleme effektiver zu analysieren, gezielter Informationen zu suchen, systematisch Lösungswege zu erarbeiten und zu optimieren sowie Probleme und Erfolge bei der Problemlösung angemessen zu kommunizieren.
Dorothy D. Billington hat in ihrer Dissertation ("Ego Development and Adult Education") sieben Charakteristika äußerst effektiver Lernprogramme für Erwachsene herausgearbeitet. Derartige Programme erzeugen eine Lernumgebung,
Das Feuerstein-Training eignet sich hervorrragend, ein derartiges Lernumfeld zu gestalten. Dies springt vor allem bei den Punkten 4 bis 7 unmittelbar ins Auge. Die Punkte 1 bis 3 sind jedoch stärker auf Erwachsene zugeschnitten und werden beim Feuerstein-Training, das ursprünglich für Kinder und Heranwachsende entwickelt wurde, naturgemäß nicht so deutlich.
Es mag durchaus sein, dass Erwachsene das Feuerstein-Training als zu inhaltsleer empfinden und ihre kognitive Struktur lieber beim Lösen realitätsnaher Probleme entwickeln möchten. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass Training der Grundfertigkeiten durch Übungen zu ergänzen, die sich auf reale Probleme konzentrieren.
Der Bamberger Psychologe Dörner hat zum Beispiel Computer-Simulationen komplexer realer Systeme (Gemeinwesen, Ökosysteme etc.) entwickelt, mit deren Hilfe er menschliches Problemlösungsverhalten und auch die "Logik des Misslingens" untersucht. Es zeigt sich, dass die im Feuerstein-Training geförderten Grundfertigkeiten eine wesentliche Rolle bei der erfolgreichen Meisterung komplexer Probleme spielen.
Nach neueren psychologischen Ansätzen ist die kognitive Struktur ein hierarchisches System mit teilautonomen Elementen, die sich zur Bewältigung übergeordneter Aufgaben zusammenschließen, aber auch miteinander in Konflikt geraten können. Der Nestor der Artificial-Intelligence-Forschung, Marvin Minsky nennt diese Basiselemente der kognitiven Struktur "Agenten".
Nun können wir die Grundfertigkeiten Feuersteins als derartige Agenten auffassen. Damit komplexe Probleme gelöst werden können, müssen diese Agenten zunächst einmal ausgebildet werden. Wir müssen unterscheiden, vergleichen, kategorisieren und planen können, um z. B. erfolgreich betriebliche Abläufe zu gestalten. Doch es genügt nicht, wenn die Agenten vorhanden und gut ausgebildet sind. Sie müssen auch lernen, effektiv miteinander zu kooperieren.
Die Übungen des Feuerstein-Training konzentrieren sich auf die Ausbildung einzelner Grundfertigkeiten, möglichst in Reinform. Der Transfer auf komplexe, reale Probleme und die Organisation des Zusammenspiels der Grundfertigkeiten wird durch das Feuerstein-Training nicht unmittelbar unterstützt. Es wäre zu prüfen, ob eine Ergänzung des Feuerstein-Trainings durch Übungen mit Realitätsbezug und hoher Komplexität zu einer Effizienzsteigerung und/oder zu verbesserter Akzeptanz führt.
"Der wirklich gute Manager von Komplexität weiß natürlich, dass jede Maxime stimmt, dass aber auch die Gegenmaxime wert ist, betrachtet zu werden. Man muss eben immer genau hingucken, was man gerade macht. Manchmal, das wissen gute Komplexitätsmanager auch, ist es vernünftig, gar nichts zu tun. Und dann wieder alle Kraft in eine Sache zu stecken. Es ist in bestimmten Situationen sogar richtig, autoritär zu führen, wirklich diktatorisch. In einer anderen Situation wiederum ist das völlig verrückt. Das ist nun mal die Aufgabe des Managers: die jeweils zur richtigen Zeit richtigen Analysen und Handlungen durchzuführen und Entscheidungen zu treffen und es auch manchmal zu lassen. Was übrigens sehr anstrengend ist, denn auch darüber müssen Sie nachdenken." (Aus einem Interview mit Dietrich Dörner)
Ein Manager muss also nicht nur die Grundfertigkeiten zur Analyse und Bewältigung seines Arbeitsgebietes besitzen. Er muss auch in in der Lage sein, die richtige Mixtur dieser Grundfertigkeiten zusammenzustellen. Dazu ist sind neben Instinkt und Intuition auch übergeordnete kognitive Fähigkeiten erforderlich. In diesem Bereich sehe ich Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Feuerstein-Trainings für Erwachsene.
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