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"Cognitive Modifiability" ist der Schlüsselbegriff des Feuerstein-Trainings. Die Intelligenz ist nicht statisch, sondern eine entwicklungsfähige Struktur. Sie entsteht in der Auseinandersetzung mit der Umwelt; durch Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen vermitteltes Lernen bestimmt maßgeblich die Entwicklungsrichtung.
Ziel der mit diesem Konzept verbundenen Methoden ist die strukturelle Veränderung der kognitiven Entwicklung. Dies setzt voraus, dass sich die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen, außer in Fällen schwerer genetischer und/oder organischer Defekte, in allen Lebensphasen weiterentwickeln können. Es geht Feuerstein nicht allein um Veränderung im quantitativen Sinn, die zum Beispiel eintritt, wenn ein Kind eine neue mathematische Operation, etwa die Subtraktion lernt. Eine qualitative, also strukturelle Veränderung bedeutet demgegenüber, dass sich die Art des Umgangs mit bestimmten Quellen der Information wandelt. Eine strukturelle Veränderung wäre zum Beispiel eingetreten, wenn das Kind die soeben gelernten Grundrechenarten zum erstenmal zur Lösung selbstgestellter Aufgaben nutzt. Nach einer Veränderung der kognitiven Struktur ändert sich die Richtung der zukünftigen intellektuellen Entwicklung.
Mit dem Begriff der "Cognitive Modifiability" bezieht sich Feuerstein auf strukturelle Veränderungen, die durch spezifische Interventionen herbeigeführt wurden.
Die intellektuelle Entwicklungsfähigkeit des Menschen ist nach Auffassung Feuersteins um so größer, je schlechter die soziale Bedingungen des betroffenen Individuums in seinem bisherigen Leben waren. Er schildert hierzu ein Beispiel. Ein junger Mann wurde zur lebenslangen Betreuung in eine von Feuerstein geleitete Institution überwiesen. Zu diesem Zeitpunkt war der Jugendliche 15 Jahre alt und sein Intelligenzquotient lagt zwischen 35 - 45 Punkten. Sein Vokabular umfasste rund 60 Wörter. Er wies gravierende Defizite im Bereich der raum-zeitlichen Orientierung, der Imitation, des Behaltens und des Sozialverhaltens auf. Er galt als kaum erziehbar und eine lebenslange Betreuung schien unvermeidlich. Der Vater war schizophren und Alkoholiker, die Mutter Analphabetin und starb als hospitalisierte Psychotikerin.
Der junge Mann litt unter einem Hirnschaden, der durch eine Frühgeburt und geringes Geburtsgewicht verursacht worden war. Im Säuglingsalter hatte er Ernährungsprobleme und wurde häufig in Kinderheimen und wechselnden Pflegefamilien untergebracht.
Doch gegen alle Erwartungen erbrachte ein Test der Lernfähigkeit überaus positive Ergebnisse. Der junge Mann wurde daher in eine kooperationsbereiten Pflegefamilie gegeben und nahm an einem speziellen Programm zur Förderung der kognitiven Entwicklung teil, das auf Grundlage des von Feuerstein entwickelten Konzepts arbeitete.
Nach elf Jahren war der junge Mann dank eines intensiven, gezielten Trainings ein selbständig denkender Mensch geworden, der Hebräisch in Wort und Schrift gut beherrschte, einen Sinn für Humor besaß und über entwickelte soziale Fertigkeiten verfügte. Er war für die Wartung einer großen Schwimmhalle verantwortlich und lernte Französisch und etwas Deutsch.
Diese Entwicklung war durch eine gezielte Förderung der kognitiven Struktur des jungen Mannes möglich geworden. Das Training des zusammenfassenden, vorausschauenden und interpretierenden Denkens war in entscheidendem Maß für die wesentlich verbesserte Anpassung seines Verhaltens an steigende Umweltanforderungen verantwortlich.
Die kognitive Struktur ist also der entscheidende Begriff zum Verständnis des Ansatzes von Feuerstein. Wie Piaget begreift er den Menschen als Konstrukteur seiner Wirklichkeit. Diese subjektive Wirklichkeit ist nicht die passive Widerspiegelung äußerer Reize im Nervensystem, sondern das Ergebnis einer aktiven und kreativen Auseinandersetzung mit der Umwelt.
Nach Feuerstein gliedert sich die kognitive Struktur in die Bereiche

Im Sinne von Piaget könnte man formulieren, dass die kognitive Struktur die Wirklichkeit konstruiert, indem sie sich selbst konstruiert. Kognitive Struktur und Wirklichkeit sind durch vielschichtige Wechselwirkungen miteinander verbunden. Daher ist die Entwicklung der kognitiven Struktur immer ein lebenslanger Lernprozess in der Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Realitäten. Dieser Lernprozess kann jedoch durch äußere Faktoren (schlechte soziale Bedingungen, psychische und/oder körperliche Traumatisierungen) oder interne Einflußgrößen (genetische Defekte) gehemmt, verzerrt oder gar blockiert werden.
Die kognitive Struktur kann sich durch unmittelbare und vermittelte Lernerfahrung verändern. Die unmittelbare Lernerfahrung beginnt im Grunde bereits im Mutterleib. Das Kind interagiert mit seiner Umwelt, sammelt Erfahrungen, und diese Erfahrungen verändern seine kognitive Struktur und damit auch seine Art des Umgangs mit der Umwelt.
Bei der vermittelten Lernerfahrung steuert ein Mediator den Prozess des Lernens. Typische Mediatoren sind Eltern, Geschwister, Lehrer. Die Absichten des Vermittlers bestimmen die Auswahl der Umweltausschnitte bzw. Reize, mit denen er das Kind konfrontiert, und somit beeinflusst er in entscheidendem Maße die Entwicklung der kognitiven Struktur des Kindes.
Nach Feuerstein ist ein Mangel an vermittelter Lernerfahrung eine wesentliche Ursache verzögerter und defizitärer geistiger Entwicklung. Je früher das Kind vermittelte Lernerfahrungen sammele, desto leichter könne es auch im direkten Umgang mit der Umwelt lernen.
Ein guter Vermittler (Mediator, Lehrer) muss folgende Aufgaben erfüllen:
Er muss
Der Mensch ist auf "vermitteltes Lernen" angewiesen, um zu einem aktiven Informationserzeuger ("generator of information") zu werden. Ohne vermitteltes Lernen bleibt der Mensch ein passiver Rezipient chaotischer Informationen. In vermittelten Lernprozessen muss er Fähigkeiten entwickeln, die Feuerstein als "Parameters of mediated learning" bezeichnet:
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