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Gefühle und Verstand sind untrennbar miteinander verbunden. Bevor wir auch nur einen Gedanken fassen können, haben Emotionen unserem Denken bereits die Richtung gewiesen. Es ist daher kein Wunder, dass seelische Verletzungen in der Kindheit sich massiv auf die geistige Entwicklung auswirken können.
Es zählt zu den besonderen Verdiensten Feuersteins, dass er den Zusammenhang zwischen psychischem Trauma und kognitiven Defiziten bzw. Deformationen der kognitiven Struktur nicht nur entdeckt, sondern auch thematisiert hat. Die Mehrheit der Fachwelt ignoriert diesen Zusammenhang allerdings nach wie vor. Auch die Beziehung zwischen psychischem Trauma und psychischer Störung wird ja kaum erforscht und teilweise sogar ignoriert.
Angesichts der ständigen Zunahme von sexuellem Missbrauch, schwerer körperlicher Misshandlung und Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen in modernen Industriegesellschaften lässt sich dieses Forschungsdefizit allerdings kaum noch wissenschaftlich, sondern eher politisch erklären.
Wenn man, wie Feuerstein und Piaget, die Entwicklung der kognitiven Struktur als direkte sowie vermittelte Lernerfahrung im Umgang mit der Umwelt begreift, dann ist allerdings der Zusammenhang zwischen psychischem Trauma und kognitiven sowie emotionalen Deformationen nicht weiter erstaunlich. Dieser Zusammenhang läßt sich jedoch nicht aus den Daten statischer Intelligenz- und Persönlichkeitstests ableiten. Diese betrachten das Kind als isoliertes Individuum, ohne seine soziale Situation und Geschichte in die Analyse einzubeziehen.
Ebenso wie korrektive emotionale Erfahrungen die gefühlsmäßigen Folgen traumatischer Erlebnisse mildern oder überwinden können, vermindern oder beseitigen korrektive kognitive Erfahrungen intellektuelle Defizite und Lernschwierigkeiten.
Wer diesen Zusammenhang thematisiert, handelt jedoch mit politischem Sprengstoff. Hier werden Tabus unserer Gesellschaft angesprochen, die eine rationale Auseinandersetzung, milde formuliert, erschweren. Genetische Erklärungen von kognitiven Defiziten und psychischen Störungen helfen demgegenüber - unabhängig von ihrem empirischen Gehalt - die Berührung mit dem Tabu zu vermeiden.
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