Wenn Kinder als Erwachsene nur mechanisch eng begrenzte Aufgaben bewältigen sollen, dann ist selbstbestimmtes Lernen zweifellos nicht effizient. Wer aber kreative, innovative Problemlöser will, der muss Freiräume gewähren.

Feuersteins Training will Menschen befähigen, Lernprozesse selbstbestimmt zu steuern. Sie sollen in der Lage sein, sich die grundlegenden Strukturen von Lern- und Denkprozessen bewusst zu machen und diese planvoll zur Steuerung des Lernens zu nutzen. Damit werden nicht nur diese Lernprozesse optimiert, sondern die Voraussetzungen für autonomes Handeln schlechthin geschaffen. Autonomes Handeln bedeutet ja, dass Ziel, Weg und Mittel der Handlung nicht kritiklos von außen übernommen, sondern eigenständig ausgewählt werden.

Die vorherrschende, behavioristisch geprägte Psychologie hat bis vor wenigen Jahren die kognitive Struktur des Menschen ignoriert, oft sogar verleugnet, jedenfalls aber kaum erforscht. Sie konzipierte den Menschen vielmehr als Automaten, der durch äußere Reize und Verstärkungen programmiert wird. Die Anwendung dieser Sichtweise auf die Pädagogik brachte das "Programmierte Lernen" und die Lernmaschinen hervor.

Feuerstein favorisiert demgegenüber das selbstprogrammierte Lernen, wobei der Lernende lernt, die eigenen Denk- und Lernstrategien selbst zu konstruieren.

Der behavioristische Einfluß auf die Pädagogik ist auch heute immer noch sehr stark. Das "Einpauken von Fakten", deren Kenntnis dann später in schriftlichen Prüfungen mittels "Multiple-Choice-Fragebögen" überprüft und benotet wird, ist auch ein an Universitäten immer noch gern gepflegter Brauch.

Obwohl dies selten explizit ausgesprochen wird, handeln viele Verantwortliche so, als passe der autonom Handelnde schlechter in unsere Gesellschaft und Arbeitswelt als der behavioristisch programmierte Automat (der sog. organism).

Ob sich in dieser Haltung die vielbeschworene Furcht vor der Freiheit oder auch eine geringschätzige Beurteilung der geistigen Fähigkeiten von Schülern und Studenten durch ihre Lehrer verbirgt, bleibt dahingestellt. Fakt ist, dass unser Bildungssystem eindeutig eher dem Automaten-Paradigma folgt, als dem des autonomen Handelns. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, wenn das Feuerstein-Training immer noch auf Akzeptanzprobleme stößt.