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Es ist schwierig, Innovationen durchzusetzen, die weitverbreiteten Vorurteilen widersprechen. Besonders schwierig ist es, wenn diese Vorurteile die Selbstachtung derjenenigen schützen, die sich von ihnen leiten lassen.
Wie bereits beschrieben, widerspricht das Feuerstein-Training sowohl dem vorherrschenden Intelligenzkonzept, als auch - zumindest in der Tendenz - dem Menschenbild unseres Bildungssystems ("Automaten-Paradigma"). Außerdem rührt es an ein Tabuthema, indem es den Zusammenhang zwischen Trauma, problematischem Milieu und defizitärer kognitiver Struktur anspricht.
Im Westen Deutschlands ist es eine klassische Innovation, weil dieses Verfahren hier nicht nur neu ist, sondern auch mit vorherrschenden Denkgewohnheiten bricht. Im Osten Deutschlands hat zwar - unabhängig von Feuerstein - J. Guthke ein ähnliches Konzept entwickelt und in großem Stil erfolgreich praktiziert, doch die Verhältnisse in der damaligen DDR lassen keinen Vergleich mit der heutigen Bundesrepublik Deutschland zu.
Innovationen dieser Art lösen stets Widerstand aus, auch wenn dieser nicht immer offen artikuliert wird, nicht selten sogar unbewusst ist. Dies ist sicher eine Erklärung für Akzeptanzprobleme.
Es ist zudem auch für Eltern nicht leicht nachzuvollziehen, dass die für das Feuerstein-Training typischen Übungen tatsächlich die Leistungen ihrer Kinder im Lesen, Schreiben, Rechnen, in Fremdsprachen oder Erdkunde zu steigern vermögen. Hier dürften sich sogar bei manchen Fachleuten Verständnisschwierigkeiten zeigen.
Die Skeptiker sollten jedoch bedenken, dass der menschliche Geist modular aufgebaut ist und dass - bildlich gesprochen - die großartigsten Kathedralen ohne Bausteine nicht erbaut werden könnten. Der kindliche Geist ist jedoch kein Steinbruch, aus dem die Bausteine zum Bau der Kathedrale seines Geistes gebrauchsfertig herausgebrochen werden könnten. Das Grundmaterial muss kunstfertig behauen werden.
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