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Eine Intuition kann ein überwältigendes Gefühl der Gewissheit erzeugen, das sich der rationalen Kritik entzieht. Dieses Gefühl ist stärker als jeder Glaube, denn um zu glauben, müssen wir den Zweifel verdrängen. Die Intuition aber entkräftet jeden Zweifel.
Eine Intuition kann natürlich nur dann zur Grundlage einer Entscheidung werden, wenn wir ihr vertrauen. Manche Rationalisten haben es sich abgewöhnt, auf Intuitionen zu reagieren, und vielfach dringen die oft schwachen Signale der Intuition gar nicht mehr in ihr Bewusstsein. Andere Menschen würden zwar gern ihrer Intuition folgen, aber sie trauen sich nicht. Sie fühlen sich nur sicher, wenn sie ihre Entscheidungen als logische Schlussfolgerung aus erwiesenen Tatsachen betrachten können.
Manche Leute ringen sich hoffnungsfroh zu einer intuitiven Entscheidung durch, um dann aber dabei zu erwischen, wie sie trotz des guten Vorsatzes doch wieder den ausgetretenen Pfaden der Ratio oder der Gewohnheit gefolgt sind. Damit die Intuition unsere Handlungen kontrollieren kann, man sie sich also mit hinlänglicher Gewissheit verbinden.
Wenn sich eine Intuition mit hinlänglicher Gewissheit verbunden hat, nennen wir sie Einsicht. Eine Einsicht ist eine plötzlich und überraschend auftauchende Erkenntnis, deren Ursprung wir nicht kennen, die aber dennoch über jeden Zweifel erhaben ist. Jeder Zweifel verstummt, weil unser Bewusstsein ein machtvolles Sicherheitsgefühl erfüllt. (4)
Unsere Gefühle der Sicherheit hängen von zwei grundlegenden Faktoren ab, nämlich von der Zahl und von der Wahrscheinlichkeitsverteilung der möglichen Antworten. Wenn alle möglichen (oder als sinnvoll erachteten) Antworten gleich wahrscheinlich sind, dann ist unsichere Unsicherheit um so größer, je mehr Antworten es gibt. Und umgekehrt fühlen wir uns um so sicherer, je größer der Abstand zwischen der Wahrscheinlichkeit der wahrscheinlichsten Antwort und der Summe aller anderen Wahrscheinlichkeiten ist. (5) Eine intuitive Einsicht ist die einzige Antwort auf eine Frage, und deren subjektive Wahrscheinlichkeit ist 100 %. Lebenskluge Leute sind manchmal etwas bescheidener und sagen: 99,99 %.
Das Gefühl der absoluten Sicherheit, das sich mit einer Einsicht einstellt, hängt nicht von bewussten Erwägungen ab, verdrängt diese mitunter sogar. Die Quelle dieses Gefühls liegt demgemäß im Unbewussten. Das Unbewusste kombiniert also nicht nur Ideen, sondern es beurteilt auch Problemlösungen. Es erzeugt das Gefühl unbedingter Gewissheit, wenn die Antwort auf eine Frage bestimmte Kriterien erfüllt. (6) Das wichtigste dieser Kriterien lautet: Die Antwort muss unserer bisherigen Weltsicht entsprechen. Das zweitwichtigste Kriterium heißt: Die Antwort muss sich qualitativ von den bereits bekannten, aber unbefriedigenden Antworten unterscheiden.
(4) David H. Rosen: Evolution of the Psyche. Westport, CT, Praeger Publishers, 1999, 100
(5) Shlomith Dekel et al.: An Elementary Approach to Thinking under Uncertainty. Hillsdale, NJ, Lawrence Erlbaum Associates, 1985, 8
(6) Rudolf Groner et al. (Hrsg.): Methods of Heuristics. Hillsdale, NJ, Lawrence Erlbaum Associates, 1983, 77
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