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Die Intuition gibt uns die Macht, zur Quelle des Seins vorzudringen. Diese Macht kann der Menschheit den Frieden bringen. Alle anderen Formen der Verbindung von Macht und Intuition sind höchst gefährlich. Viele Machthaber, allen voran Hitler, ließen sich auf ihrem Weg in den Abgrund von Intuitionen leiten.
Der überaus weise Yoka Daishi (? - 713) schrieb in seinem "Lied der Erleuchtung": "Praktiziere Zen in einer Welt des Begehrens, und die ursprüngliche Macht der Intuition wird sich manifestieren. Wenn der Lotus in der Mitte eines Feuers blüht, wird er niemals zerstört." (7) Die ursprüngliche Macht der Intuition führt uns zur Quelle von Raum und Zeit - außerhalb von Raum und Zeit.
Diese Verbindung von Intuition und Macht ist eine positive Kraft, die gleichermaßen dem Individuum und der Gemeinschaft zu Vorteil gereicht. Sie senkt Frieden in unsere Herzen und führt unseren Verstand an seine Grenzen. Beinahe alle anderen Verbindungen zwischen Macht und Intuition sind höchstgradig destruktiv. Im schlimmsten Fall geht der intuitive Führer mit einem Gefühl absoluter Sicherheit über Leichen, um seine Ziele zu erreichen - und keine rationale Risikoabschätzung vermag ihn zu stoppen, keine moralischen Skrupel gebieten ihm Einhalt.
Diese destruktive Verbindung von Macht und Intuition verwandelt die geistige Wanderung der Ideenfindung in einen Marsch. Die Ideen werden gleichsam zum "Gleichschritt" gezwungen, weil diese geistige Mechanik die größte Machtentfaltung verspricht. Dabei ist der Gleichschritt der Ideen keineswegs das Ergebnis einer geistigen Disziplin. Er wird vielmehr durch den Sog einer mitreißenden Vision hervorgerufen. Adolf Hitler war ein schauerliches Beispiel für diese Geisteshaltung.
Es ist im Prinzip nicht verwerflich und auch nicht grundsätzlich zerstörerisch, die Intuition auf dem Pfad der Macht zu nutzen. Die Gefahr besteht darin, dass die Intuition immer die Vorherrschaft zu gewinnen versucht, wenn der nach Macht strebende Mensch in Bedrängnis gerät - sei es durch Feinde, durch Barrieren oder durch Zeitdruck. Die ursprüngliche Macht der Intuition, deren friedvolles Gesicht sich in der Meditation zeigt, wird dann sie einem gefährlichen Raubtier aus den archaischen Tiefen unseres Unterbewusstseins.

Das Sicherheitsgefühl der intuitiven Einsicht verwandelt sich in ein Allmachtsgefühl, das sich der Realitätskontrolle entzieht. Die Faszination, die Schwarze Magie auf Machtmenschen ausübt, hat hier ihren Ursprung. Das Gefühl absoluter Macht und Sicherheit verursacht einen Rausch, in dem alles möglich erscheint, wenn man sein Ziel nur unerschütterlich anstrebt und alle Zweifel, alle Skrupel bedenkenlos beiseite schiebt. Das Handeln in diesem Machtrausch ist oft für gewisse Zeit überaus erfolgreich, weil der Tyrann nicht berechenbar ist und die Effekte der Überraschung für sich zu nutzen weiß.
Dies hat allerdings wenig mit Intelligenz zu tun. Zwar glauben diese Machthaber mitunter, sie erhielten Offenbarungen aus übernatürlichen Quellen. Doch was sie tatsächlich hören, ist die Stimme des Alten Adam. Der Intuition verkommt zum Instinkt. Der Verhaltensforscher und Journalist Vitus B. Dröscher hat die Machtspiele im Tierreich analysiert und bemerkenswerte Parallelen entdeckt. Der erfolgreiche Politiker zeichne sich durch "strategische Intelligenz" aus:
"Wir kennen dieses Phänomen als Bauernschläue, 'politischen Instinkt', demagogische Begabung. Mit Denkvermögen, in der Ethologie als 'abstrakte Intelligenz' bezeichnet, hat dies überhaupt nichts zu tun. Zum Beispiel werden mehrere Völker der Welt von Potentaten regiert, die Analphabeten sind oder nicht in der Lage sind, einstellige Zahlen im Kopf zu multiplizieren. Hier sind wir am Quell der Erkenntnis, weshalb Politiker oft gegen alle Regeln der Vernunft handeln: Die Antriebe ihres Handelns liegen nicht auf spezifisch menschlichem Niveau, sondern wurzeln im animalischen Bereich." (8)
Viele Menschen fürchten sich vor der kalten, berechnenden Ratio und fühlen sich instinktiv zu den Machern hingezogen, die aus dem Bauch heraus handeln und deren schlafwandlerischer Sicherheitsgefühl sie zur Bewunderung und Unterwerfung zwingt. Diese Menschen wissen nicht, das sie auf ein animalisches Muster mit animalischen Impulsen reagieren. Wir Menschen neigen ja dazu, die "großen Männer" (die heute mitunter auch weiblichen Geschlechts sind) zu verehren. Diese Neigung haben wir vermutlich von den Schimpansen, unseren nächsten Verwandten im Tierreich geerbt. Mir wäre wohler, wenn sich diese Verehrung in Zukunft verstärkt von den Politiker ab- und den stillen Meistern der Versenkung, den Grundlagenforschern und den kühnen Poeten zuwenden würde.
(7) zitiert nach: Daisetz Teitaro Suzuki: Manual of Zen Buddhism . New York, Grove Press, 1960, 102.
(8) Vitus B. Dröscher: Spielregeln der Macht im Tierreich. Weiße Löwen müssen sterben. München (Goldmann Verlag) 1992, 32
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