Die gegenwärtige psychiatrische bzw. neurologische Forschung konzentriert sich auf Stoffwechselstörungen im Gehirn, die für psychische Krankheiten verantwortlich und angeboren sein sollen. Dennoch spielen offenbar auch traumatische Kindheitserfahrungen eine wesentliche Rolle im Ursachenbündel seelischer Erkrankungen.

Martina Hexel und Mitarbeiter von der Universität Wien untersuchten den Zusammenhang zwischen Traumatisierungen, dissoziativen Erfahrungen und psychiatrischen Erkrankungen. Sie befragten 105 Psychiatrie-Patienten (mit Borderline-Syndrom, Angststörungen bzw. somatoformen Störungen) sowie 72 gesunde Personen (Kontrollgruppe). Sie verwendeten einen strukturierten Interview-Leitfaden sowie die deutsche Version der Dissociative Experience Scale.

Die Patienten der Psychiatrie-Gruppe berichteten signifikant häufiger traumatische Erfahrungen (sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlungen durch Eltern oder nahe Bezugspersonen, sonstige körperliche Attacken, Überfälle etc.) als die nicht-klinische Kontrollgruppe und zeigten auch häufiger dissoziative Symptome.

Trotz der methodische Schwächen dieser Studie (retrospektives statt prospektives Design) folgern die Autoren aus ihren Ergebnissen, dass traumatische Erfahrungen eine wesentliche Rolle im Ursachenbündel psychiatrischer Erkrankungen spielen.

Die Studie erschien im Juli 2004 unter dem Titel "Psychiatric Disorders and Traumatic Life-Events" im Online-Magazin "German Journal of Psychiatry", wo sie auch als pdf-Datei heruntergeladen werden kann.

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