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Die Konduktive Förderung beruht im wesentlichen auf den Ideen russischer bzw. sowjetischer Psychologen und Pädagogen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass Petös System während des Kalten Kriegs im Westen auf wenig Verständnis stieß.
Konduktive Förderung ist ein ganzheitliches pädagogisches System, das ursprünglich für Kinder entwickelt wurde. Es kann aber auch, in altersentsprechend abgewandelter Form, bei Erwachsenen - zum Beispiel zur Rehabilitation nach einem Hirnschlag - eingesetzt werden. Im folgenden konzentriere ich mich jedoch im wesentlichen auf die Konduktive Förderung von Kindern.
Petö war überzeugt, dass es sich bei den Bewegungsstörungen, die durch ZNS-Schäden hervorgerufen werden, nicht um Krankheiten handele. Diese seien vielmehr ein Lernproblem. Sie sollten deshalb nicht mit den Methoden der Medizin therapiert, sondern mit pädagogischen Mitteln überwunden werden. Und so sprach Petö auch nicht davon, dass die Kinder in seinem Institut behandelt wurden. Sie hatten statt dessen gearbeitet. (Vgl. Hári, 1997 - Die Problematik dieser Einschätzung werde ich später im Text analysieren.)
Das Ziel Konduktiver Förderung besteht darin, die betroffenen Menschen zur "Orthofunktion" zu führen. Unter diesem Begriff verstand Petö die weitgehende Unabhängigkeit von Hilfsmitteln und Personen im alltäglichen Leben.
Die Konduktive Förderung betrachtet die Bewegungsstörung nicht isoliert, sondern bezieht die gesamte Persönlichkeit mit ein. So werden nicht nur das Sitzen, Stehen, Gehen, Laufen und die Feinmotorik geübt. Darüber hinaus geht es um den Auf- und Ausbau geistiger Fähigkeiten, die Entwicklung, Verfeinerung, den Ausdruck und die Beherrschung der Gefühle, die Förderung der Sprache und der Sprechfähigkeit, die Aneignung von Kulturtechniken sowie um die Selbständigkeit im lebenspraktischen Handeln (Essen, Kleiden, Hygiene). (vgl. Weber 1998, 25)
Die Konduktive Förderung integriert die genannten Entwicklungs- und Persönlichkeitsbereiche in einem einheitlichen Ansatz. Die Förderaufgaben werden auch nicht, wie traditionell üblich, auf verschiedene Spezialisten verteilt, sondern von eine(r)m Konduktor(in) wahrgenommen. "Konduktiv" stammt vom lateinischen Wort "conducere" ab und bedeutet "zusammenführen".
Petö erfand letztlich nichts Neues. Seine Leistung, seine Genialität bestanden darin, bereits Bekanntes in einzigartiger, zweckentsprechender Weise zusammenzufügen. Von Buber übernahm er das dialogische Prinzip, von Makarenko die gruppenpädagogische Orientierung und die Idee der Therapeutischen Gemeinschaft, von Pawlow die Theorie des ersten und zweiten Signalsystems (Sinnenreize und Sprache), von Moreno die therapeutische Nutzung des Theaters, von Lurija die Theorie von der Neubildung funktioneller Systeme im Gehirn (Plastizität des Zentralnervensystems) und von Wygotski das Verständnis der Bewegungsbehinderung nicht als Defekt, sondern als Lernstörung. (Vgl. Schumann & Clemens 1999)
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