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Petö war unerschütterlich davon überzeugt, dass es keine unheilbaren Krankheiten gäbe. Petös Optimismus ist vielleicht nicht bei allen Krankheiten gerechtfertigt. Im Fall der Bewegungsstörungen allerdings hat diese Hoffung drei mächtige Verbündete, nämlich den Bewegungsdrang auch des körperlich behinderten Menschen, die motivierende Kraft der Gruppe und die erstaunliche Plastizität des menschlichen Gehirns.
Der Drang, sich im Umgang mit der Umgebung als kompetent zu erweisen und zu erfahren, ist ein Wesenszug des Menschen. Diese Kompetenzerfahrung setzt Bewegung voraus. Diese Bewegung trägt ihren Lohn in sich. Beim bewegungsgestörten Kind ist der angeborene Bewegungsdrang allerdings, entsprechend der Schwere der Behinderung, gehemmt. Aber der Wunsch, sich im Umgang mit der Umwelt geschickt zu zeigen, kann beim behinderten genau so stark werden wie beim nicht behinderten Kind. Petö erkannte die magische Kraft dieses Wunsches. Diese Kraft zeigt sich in den Gesichtern der bewegungsgestörten Kinder, wenn sie die Aufgaben meistern, die für sie in der Konduktiven Förderung maßgeschneidert wurden.
Die Kinder stellen sich diesen Aufgaben in der Konduktiven Förderung meist nicht allein, sondern in Gruppen gleichfalls Betroffener. Die Gruppenmitglieder spornen sich wechselseitig an. Sie kennen die Schwierigkeiten und wissen die Leistung zu würdigen. Und so entfaltet die Gruppe Heilkraft. Sie wird zur Therapeutischen Gemeinschaft.
"Plastizität des Gehirns" bedeutet, dass nach einer Schädigung oder Zerstörung von Nervenzellen andere Nervenzellen deren Aufgaben übernehmen können. Dabei versucht das Gehirn, ein regelhaftes Zusammenspiel von Nervenverbänden wiederherzustellen. Dies kann, muss aber nicht zwangsläufig zu psycho-motorisch sinnvollen Korrekturen führen. (Preilowski 1996) Die Tendenz des Gehirns zur Wiederherstellung geordneter Abläufe wird durch sorgfältig aufeinander abgestimmte Übungen positiv beeinflusst. Die entsprechenden Veränderungen im Gehirn können heute sogar exakt nachgewiesen werden. Mit modernen röntgen-diagnostischen (computertomographischen) Verfahren lässt sich feststellen, welche Hirnabschnitte bei bestimmten Tätigkeiten vermehrt oder vermindert durchblutet werden. So konnte gezeigt werden, dass nach Schädigungen der motorischen Hirnrinde ersatzweise andere Hirnabschnitte aktiviert werden. (Hömberg 1997)
Der
natürliche Bewegungsdrang des Kindes, die motivierende Kraft der Gruppe
sowie die Plastizität des Gehirns und dessen Tendenz zur Selbstkorrektur
sind die wichtigsten Selbstheilungskräfte, die bei der Förderung und Rehabilitation
bewegungsbeeinträchtigter Kinder genutzt werden können. Im System Petös
werden die Selbstheilungskräfte besonders durch die Förderung der Bewusstheit
unterstützt. Diese Bewusstheit ist Ziel aller Bestrebungen der Konduktiven
Förderung. Das sprachlich vermittelte Erleben von Bewegung ist der Kern
dieser Schulung kindlicher Bewusstheit. "Bewusstheit" verwende
ich hier anstelle des vertrauteren Begriffs "Bewusstsein", weil
"Bewusstheit" eine spezifische Form des Bewusstseins
darstellt - nämlich ein intensives, waches, auch sprachlich vermitteltes
und gesteuertes Erleben des augenblicklichen Handelns in der momentanen
Situation.
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