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Der Mediziner András Petö war ein vielseitig gebildeter Mann. Seine geistige Entwicklung wurde durch die Atmosphäre Wiens geprägt, zu einer Zeit, als Wien eine der geistigen Hauptstädte der Welt war.
András Petö wurde 1893 in Westungarn nahe der Österreichischen Grenze geboren. Sein Vater, der einen Gemischtwarenladen führte, erkrankte 1907 an der Parkinson'schen Lähmung. Und so musste Petö schon früh durch eigene Arbeit seine Familie unterstützen. Er gibt Nachhilfestunden, arbeitet als Hauslehrer und Zeitungsredakteur. Petö wollte zunächst Journalist werden, entschied sich dann aber für die Medizin. Ab 1911 studierte er dieses Fach in Wien. Während seiner Studienzeit lernte er Jakob Levy Moreno (1890 - 1974) kennen, der später eine heute weit verbreitete psychotherapeutische Methode entwickeln sollte: das Psychodrama. Petö und Moreno verband eine enge Freundschaft. Sie überdauerte die Studienzeit, obwohl Moreno ab 1922 in den Vereinigten Staaten wirkte.
In den Jahren 1911 bis 1914 spielten Moreno und Petö mit Kindern in Wiener Kindergärten "Stehgreiftheater". Dies waren die Ursprünge des Psychodramas. Petö faszinierte die "geheimnisvolle Atmosphäre" beim StehgreifTheater und "dass das Paradoxe und Unwirkliche im Wirklichen zum Ausdruck gebracht wurde." (Hári 1997, 13)
Hans Eisler, der Komponist und einer der Begründer der Kommunistischen Partei Österreichs, zählte ebenfalls zu den engen Freunden Petös. Auch Petö begeisterte sich für den Marxismus und trat 1919 in die KPÖ ein. (Schumann & Clemens 1999, 20) Die Einflüsse der sowjetischen Psychologie und insbesondere der Kulturhistorischen Schule auf sein Werk werden durch diese Orientierung verständlich. Es spricht für die Größe Petös, dass sich in seinem Werk zwar die humanistischen Wurzeln der Lehre von Karl Marx, nicht aber die stalinistische Einstellung zum Menschen widerspiegeln. Es wäre verfehlt, die Konduktive Förderung als "sozialistisch", "kommunistisch" oder "marxistisch" zu etikettieren. Dies verhindert eher das Verständnis des Petö-Systems. So fällt es leicht, die erforderliche Disziplin als "Drill" misszuverstehen, wenn das Petö-System unter "realsozialistischen" Vorzeichen betrachtet wird.
1921 erhielt Petö sein Medizin-Diplom. Er arbeitete in verschiedenen klinischen Bereichen (z. B. in der Lungenheilkunde und Psychiatrie) und übernahm schon bald verantwortliche Positionen. Zwischen 1930 und 1938 war er Mitarbeiter am Institut für Physiotherapie in Wien. Er gehörte in dieser Zeit zum Freundeskreis Bernard Aschners, der sich als führender Vertreter der "Biomedizin" für die Anwendung natürlicher Heilweisen einsetzte.
1938 wird Petö ungarischer Staatsbürger und flieht vor den Nazis nach Paris. Dort arbeitet er bis 1939 als Fachjournalist für Medizin. 1939 siedelte er nach Budapest über und war dort bis 1947 als Heilgymnast tätig. In dieser Zeit entwickelte er die Grundlagen der Konduktiven Erziehung.
1948 gründete Petö das Institut für Bewegungstherapie und 1960 das staatliche bewegungstherapeutische Institut. Petö schuf das neue Berufsbild der/des Konduktor(s)in, das 1963 staatlich anerkannt wurde. Nach langer Krankheit starb Petö 1967 im Alter von 73 Jahren.
András Petö war ein umfassend gebildeter und vielseitiger Mann, der sich nicht nur mit einer großen Zahl unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete beschäftigte. Er verfasste darüber hinaus auch Dramen, Gedichte und philosophische Betrachtungen. Seine prägenden Jahre verbrachte er in Wien - und zwar in jener Zeit, als diese Donau-Metropole eine der geistigen Hauptstädte der Welt war. Die Psychotherapeuten Freud, Adler und Frankl gehörten zu seinen Bekannten, mit dem Psychiater und Soziologen Merono, dem Naturarzt Aschner sowie dem Komponisten Eisler war er befreundet, der Neurologe und Nobelpreisträger Wagner von Jauregg war zeitweilig sein Chef.
Dieses Klima intellektueller Brillanz und Innovationsfreude hat zweifelsfrei Petös Geist und Persönlichkeit geformt. Anders als Freud, der eher zum Pessimismus neigte, aber im Einklang mit Viktor Frankl war Petö von einem tief verwurzelten medizinischen Optimismus erfüllt. Für ihn gab es keine unheilbaren Krankheiten - also auch keine unheilbaren Bewegungsstörungen. Diese Überzeugung leitete ihn in einer Zeit, als die Fachwelt das krasse Gegenteil behauptete: Kinder mit schweren Bewegungsstörungen würden niemals Sitzen, Stehen, Gehen oder Sprechen lernen. Entsprechend wurden diese Kinder auch behandelt bzw. nicht behandelt. Mit seiner Konduktiven Förderung strafte Petö die Fachwelt Lügen.
Grundideen der Konduktiven Förderung
András Petö
Zielgruppen der Konduktiven Förderung
Ziele der Konduktiven Förderung
Zentrale Methoden der Konduktiven
Förderung
Die Konduktorinnen
Pädagogik und Medizin
Erfolgskontrollen
Fazit
Literatur
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