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Die
Übungen in der Konduktiven Förderung werden nahezu ununterbrochen durch
rhythmisches Sprechen, Singen oder Reime-Aufsagen unterstützt. Der
Übende unterstreicht seine Bewegungen auch durch rhythmisches Zählen.
Das rhythmische Begleiten von Bewegungen durch Skandieren oder Gesänge
ist ein völlig natürliches Phänomen, das wir überall auf der Welt wiederfinden,
sei es bei der Feldarbeit oder beim Marschieren. Es scheint generell die
Bewegung zu erleichtern und die Freude an ihr zu verstärken.
Rhythmus und Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden. "Rhythmus kann als die Art und Weise definiert werden, in der sich Klanggestalten in der oder durch die Zeit bewegen...", schreibt der Musikwissenschaftler David Reck (1992, 126). Wer über Musik als Ereignis in der Zeit nachdenke, müsse den "Beat, den Grundschlag, den rhythmischen Puls" zum Grundkonzept wählen.
"Vielleicht verhielt es sich so, dass die Menschen vor Urzeiten ihren Herzschlag wahrnahmen und beschlossen, dieses regelmäßige Klopfen mit Hilfe von Stöcken zu verdoppeln, und später dann mit Trommeln oder ausgehöhlten Holzblöcken (die ja letztlich Duplikate unseres Brustkorbes sind). Möglicherweise ging die ursprüngliche Eingebung auch auf das Stampfen der Füße beim Gehen oder Tanzen zurück, oder auf sich wiederholende Klangmuster bei der Arbeit: beim Hämmern, beim Zuschlagen von Steinkeilen, beim Dreschen oder Stampfen des Korns. Niemand kennt den Ursprung wirklich, und er ist auch nicht so wichtig. Wichtig jedoch ist die Bedeutung jener Entdeckung oder Eingebung, denn sie begleitet uns bis heute im Schlaghammer-Getrommel von Rockbands, in den schnellgeschüttelten Rasseln bei indianischen Peyote-Zeremonien, in den Handbewegungen von Dirigenten, in den sanften Wiegenliedern der Penihang-Frauen Borneos oder als Grundlage all der komplexen Rhythmen afrikanischer Trommelensembles." (Reck 1992, 127 f.)
Und diese Eingebung begleitet uns auch in der Konduktiven Förderung. Die Übungen in der Konduktiven Förderung werden nahezu ununterbrochen durch rhythmisches Sprechen, Singen oder Reime-Aufsagen unterstützt. Der Übende unterstreicht seine Bewegungen auch durch rhythmisches Zählen. Das rhythmische Begleiten von Bewegungen durch Skandieren oder Gesänge ist ein völlig natürliches Phänomen, das wir überall auf der Welt wiederfinden, sei es bei der Feldarbeit oder beim Marschieren. Es scheint generell die Bewegung zu erleichtern und die Freude an ihr zu verstärken.
Der Rhythmus organisiert die Bewegung der Klanggestalten in der Zeit und er synchronisiert gleichzeitig die körperlichen Bewegungen. Es ist erstaunlich, dass gerade das rhythmische Wiederholen von Aufgaben manche Kritiker der Konduktiven Förderung befremdet hat.
Wie gezeigt, ist die rhythmisch begleitete Bewegung letztlich ein archaischer Prozess, der wohl seit Anbeginn der Menschheit stattfindet. Er gehört wie die meisten archaischen Prozesse zum "survival kit", zum biologisch verankerten Überlebensprogramm der Menschheit. Daher vermag dieser Prozess außerordentliche Kräfte zu mobilisieren. Die Fans in den Fußballstadien nutzen dies, wenn sie ihre "Helden" rhythmisch anfeuern.
Petö war sich der Schwere der Aufgaben bewusst, die sich einem bewegungsgestörten Menschen auf dem Weg zur Orthofunktion stellen. Es versteht sich daher von selbst, dass er äußerst wirksame Methoden zur Mobilisierung der Kräfte einsetzen musste. Dazu gehört der Beat: eins, zwei, drei, vier, fünf. Ähnliches wird in Tanzschulen praktiziert ("Vor, zurück und Beugeschritt!")
Der Rhythmus allein reicht allerdings zur größtmöglichen Mobilisierung der Kräfte nicht aus. Wie die "Spontaneität" zur "Orthofunktion", muss sich zum Rhythmus ein weiterer Begriff hinzugesellen. Nur in dieser Einheit ist das Konzept stimmig. Der Rhythmus treibt an und schreitet in der Zeit voran. Aber er hat nur in der Zeit eine Richtung, nicht auch im Raum. Der eingesetzten und durch den Rhythmus verstärkten Kraft muss ein Ziel gegeben werden. Diese Aufgabe übernimmt die Absicht, das Indendieren. Und so hat das Rhythmische Intendieren die Aufgabe, die Bewegung sprachlich vorwegzunehmen, das Ziel zu bestimmen und den Weg zum Ziel zu steuern. (Vgl. Dobslaff & Dobslaff, 1997)
Stark vergröbert ist das Rhythmische Intendieren u. a. ein Sprechen, das zur Aktivität antreibt. Die Konduktorin motiviert das Kind durch Rhythmisches Sprechen zur Bewegung. Wenn dem Kind der Sinn Konduktiver Förderung bewusst wird und wenn es deren Ziel übernimmt, dann treibt sich das Kind durch Rhythmisches Intendieren selbst zur Aktivität an. Das Rhythmische Intendieren wird zu einem Hilfsmittel der Steuerung einer Tätigkeit. Es bestimmt das Ziel, motiviert und steuert die raum-zeitliche Verwirklichung der Handlungen.
Es zeigt sich also, dass die Sprache eine herausgehobene Stellung im System der Konduktiven Förderung einnimmt. Auch dies ist leicht zu verstehen, weil Sprache beim Erlernen von Tätigkeiten und den entsprechenden Bewegungen eine wesentliche Rolle spielt. Wer sich eine neue Fähigkeit aneignen will, zum Beispiel das Autofahren, wird seinen Lernprozess zunächst durch inneres Sprechen in Form von an sich selbst gerichteten Befehlen begleiten (Kuppeln, Schalten, in den Rückspiegel schauen, Blinker betätigen usw.) Mit zunehmendem Lernfortschritt werden diese Kommandos immer seltener, immer blasser, schließlich an den Rand des Bewusstseins gerückt, um dann ins Unbewusste abzusinken. Das Verhalten wurde automatisiert.
Die psychologische Handlungstheorie unterstellt, dass menschliches Verhalten generell auf Plänen oder Programmen beruht. Diese bestehen aus einer Sequenz von Befehlen. Zum Beispiel: "Hammer in die Hand nehmen, Nagel ergreifen, Nagel ansetzen, Prüfen des Ansatzes, Ansatz eventuell korrigieren, mit Hammer auf Nagelkopf schlagen, Prüfen, ob Nagel bereits tief genug eingeschlagen wurde, erneutes Zuschlagen mit dem Hammer, erneute Prüfung, Abbruch der Handlung nach bestandenem Test." Diese Sequenzen laufen bei automatisierten Handlungen unbewusst, bei teilautomatisierten Handlungen teilbewusst und bei neu zu lernenden oder einmaligen Handlungen vollbewusst ab. (Vgl. Hacker 1992)
Diese Programme menschlichen Handelns sind in der Regel hierarchisch verschachtelt. So entsprechen dem Oberprogramm "Bild aufhängen" zum Beispiel die Unterprogramme "Bild auswählen", "Platz auswählen", "Nagel einschlagen", "Aufhänger des Bildes über Nagel stülpen" usw. Derartige Handlungsstrukturen können sich in zahlreiche Hierarchieebenen gliedern. Auf den höchsten Hierarchieebenen finden sich vollbewusste Programme zur Vorbereitung und zum Fällen von Entscheidungen.
Menschliche Handlungen unterliegen also einer Grammatik, die der Grammatik der Sprache nicht unähnlich ist. Freud definierte Denken als sprachliches Probehandeln. Diese Definition hebt den engen Zusammenhang zwischen Sprache und Handeln hervor. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat Begriffe als "Gebrauchsanweisungen" bezeichnet. Und in der Tat stecken ja im Begriff zum Beispiel der "Tasse" ein Abbild ihrer Verwendungsmöglichkeiten und Schemata der entsprechenden Bewegungen. Vermutlich bereitet die Wahrnehmung einer gefüllten Tasse bei vorhandener Absicht zu trinken über den Begriff der Tasse die entsprechenden neuronalen Netzwerke (Nervennetze) auf die mit dem Trinken verbundenen Bewegungen vor. Wir ergreifen die Tasse dann z. B. automatisch am Henkel und umfassen sie nicht mit der Hand wie ein Glas. Der Begriff aktiviert das Nervensystem selektiv.
Und so ist das Rhythmische Intendieren weit mehr als nur der Versuch, "die Kinder zum Mittun anzuregen", wie, die in der Einleitung zitierte Petra Flieger vermutete. Es bündelt vielmehr die Kräfte des Rhythmus' und der Sprache, um Bewegungsmuster zu harmonisieren. Dabei beeinflusst es vermutlich auch die bioelektrische Aktivität des ZNS im Sinne der Orthofunktion. Und so wird Petös Bemerkung verständlich, andere gäben den Behinderten Rollstühle, er aber gäbe ihnen die Sprache. Dies bedeutet, dass er ihnen hilft, die Sprache im Prozess der Regulierung von Handlungen optimal einzusetzen.
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