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Die Informationen dieser Seite sind teilweise veraltet. Sie bilden den Stand des Jahres 1998 statt. Zur Aktualisierung dieser Seite fehlt mir im Augenblick leider die Zeit.
In Ungarn werden die Konduktor(inn)en im Rahmen eines vierjährigen Hochschulstudiums ausgebildet. Voraussetzung für die Ausbildung ist das Abitur. Das Studium umfasst acht Semester mit sechzehn Wochen Unterrichtszeit pro Semester und einer wöchentlichen Pflichtstundenzahl von ca. 30 - 36 Stunden. Pro Semester müssen bis zu sechs Prüfungen abgelegt werden. Das Studium schließt mit einer Diplomarbeit ab, die vor einer Prüfungskommission erläutert und begründet ("verteidigt") werden muss. (Fink 1998, 95; Weber 1998, 59 f.)
Die Studieninhalte bauen systematisch aufeinander auf. Der Lehrplan spiegelt dabei die Grundelemente und die Struktur des Petö-Systems wieder. Theoretische und praktische Anteile sind aufeinander bezogen. Die Praxis wird im Verlauf der Ausbildung immer bedeutender und dominiert ab dem fünften Semester.
Die Konduktoren sind nicht berechtigt, sich selbständig in Praxen niederzulassen. (Fink 1998, 95; Weber 1998, 59 f.)
Nach der Umgestaltung des ungarischen Hochschulsystems durch ein Gesetz aus dem Jahr 1984 wurde die Konduktorenausbildung durch die Konduktor-Grundschullehrerausbildung ersetzt. "Dies bedeutete keine grundsätzliche Änderung, laut Petös Konzeption war ja die Ausbildung zum Grundschullehrer von Anfang an ein integrativer Teil der Konduktorenausbildung gewesen." (Kozma 1998, 30) Neu jedoch ist seit 1984, dass die Konduktor(inn)en zum Grundschulunterricht nicht nur befähigt, sondern auch berechtigt sind.
In Österreich werden seit ca. 20 Jahren "Mehrfachtherapie-Konduktoren" im Sinne eines von Helga Keil modifizierten Konzepts ausgebildet. Seit zehn Jahren handelt es sich dabei um eine vier Semester umfassende Weiterbildung für Therapeut(inn)en und Pädagog(inn)en, die vorher bereits ein Studium abgeschlossen haben. Zuvor wurden Kurse über zwei bis drei Semester angeboten. Diese Weiterbildung wurde bisher vom Keil-Institut organisiert.
Im September 1999 soll ein sich über vier Semester erstreckender Universitätslehrgang gestartet werden, in dem "Akademische Mehrfachtherapie-Konduktoren/innen" ausgebildet werden sollen. Lehrgangsträger sind das Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien sowie das "Kuratorium für Konduktiv Mehrfachtherapeutische Förderung und Integration von cerebral bewegungsbeeinträchtigten Kindern" (KFI).
Das KFI versteht sich als wissenschaftlicher Verein. Er hat sich die Aufgabe gestellt, "die wissenschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Konduktiv Mehrfachtherapeutischen Förderung in Österreich zu bearbeiten und mit anderen europäischen Fachleuten, Institutionen und Vereinigungen auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten." (Keil 1998, 75 ff.)
Weitere Ausbildungsstätten befinden sich zum Beispiel in Großbritannien und Israel. In Deutschland sind der "Studienabschluss und das ungarische Berufsbild ... nicht als medizinischer Hilfsberuf anerkannt. Dipl.-Konduktor-inn-en dürfen nur unter Leitung eines Facharztes bzw. mit wissenschaftlicher Begleitung in Deutschland praktizieren." (Weber 1998a, 61).
Weber und Rochel streben eine Ausbildung zum/r Konduktor/in im Rahmen eines zweijährigen postgraduierten Studiengangs an, dessen Konzept mit der geplanten österreichischen Hochschulausbildung weitgehend übereinstimmt. "Dieser Studiengang soll mit anderen europäischen Konduktor-inn-en-Ausbildungen kompatibel und verrechenbar (European credit-point-system) sein. Er sollte an Hochschulen verwirklicht werden, an denen medizinische, heilpädagogische bzw. pflegewissenschaftliche Fakultäten existieren, in Verbindung mit Praktika in konduktiven Gruppen aller Altersstufen." (Weber 1998b, 158)
In Bayern wird vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB) und der Stiftung Pfennigparade in München eine berufsbegleitende sonderpädagogische und konduktive Zusatzausbildung entwickelt. Dabei handelt es sich um zweijährige Ausbildung mit - im Vergleich zu den akademischen Studiengängen in Ungarn, Großbritannien und Österreich - weitaus geringerer Stundenzahl. (Weber 1998b, 162 ff.)
Das Petö-System stellt heute eine eigenständige, sich weiterentwickelnde "synthetische Wissenschaft" dar. Die strenge "innere Logik" dieses Systems schließt das beliebige Entfernen oder Hinzufügen einzelner Elemente aus. Dies gilt nicht nur für die Praxis der Konduktiven Förderung, sondern gleichermaßen für die Ausbildung der Konduktor(inn)en. Aus diesem Blickwinkel ist es zum Beispiel fraglich, ob eine Konduktor(inn)en-Ausbildung innerhalb von nur 640 Stunden - wie vom ISB und Pfennigparade vorgesehen - überhaupt realisiert werden kann.
Aus meiner Sicht empfiehlt es sich, derartige Ausbildungsgänge - zumindest zur Zeit noch - weitgehend am ungarischen Vorbild auszurichten. Konduktive Förderung "steht und fällt" mit den Konduktor(inn)en. Kluge theoretische Konzepte und entsprechende empirische Forschungen nützen wenig, wenn die Konduktor(inn)en nur unzulänglich ausgebildet wurden. Man würde dem in Deutschland noch "zarten Pflänzchen" Konduktive Förderung einen Bärendienst erweisen, wenn man das ursprüngliche Petö-System verwässern oder in ihm wesensfremde Zusammenhänge integrieren würde.
Es spricht natürlich nichts dagegen, Methoden mit äußerlicher Ähnlichkeit zum Petö-System zu entwickeln und anzuwenden. Über die Qualität dieser Ansätze wird nicht durch theoretische Auseinandersetzungen, sondern durch die Praxis und die wissenschaftliche Begleitforschung entschieden. Man sollte diese abweichenden Behandlungsmodelle dann jedoch nicht als Konduktive Förderung bezeichnen und sich dabei auf Petö berufen.
Dies ist nicht nur ein Gebot der Fairness gegenüber den Befürwortern des ursprünglichen Ansatzes, sondern auch aus wissenschaftlichen Gründen notwendig. Forschungsergebnisse zur Konduktiven Förderung im Sinne von Petö besitzen nämlich nur dann Aussagekraft, wenn die untersuchten Gruppen auch tatsächlich dem ursprünglichen Konzept entsprechend gearbeitet haben.
Was für die Konduktive Förderung gilt, trifft gleichermaßen auf die Bezeichnung "Konduktor" zu. Diesen Titel sollte nur führen, wer das ursprüngliche Petö-System beherrscht. Alle anderen Fachleute sollten andere Berufsbezeichnungen wählen.
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