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Viele aufgeklärte Zeitgenossen halten den Schamanismus für Aberglauben und die Schamanen für wunderliche Hinterwäldler oder gar für Verrückte. Doch in ihren Kulturen sind sie unentbehrlich. Sie heilen in Trance.

Schamanen fliegen durch übernatürliche Welten, um die Seelen
kranker Menschen zu suchen. In ihrem Weltbild nämlich ist dies die
einzige Möglichkeit zur Heilung der meisten Krankheiten. Der Mensch
wird krank, so denken die Schamanen, weil er seine Seele verloren hat.
Es ist die Aufgabe, diese wiederzufinden und in den Körper des Kranken
zurück zu bringen.
Schamanen unternehmen diese oft als gefährlich empfundenen Reisen
nicht aus Abenteuerlust oder Tollkühnheit, sondern im Interesse einer
sozialen Gruppe, in die sie eingebettet sind. Eine Vielzahl von Geistern,
die der Gruppe bekannt sind, unterstützt die
Schamanen bei ihrer schwierigen Aufgabe. Es gibt aber auch finstere, bösartige oder auch nur tollpatschige Dämonen, die Schamanen absichtlich behindern oder ihnen im Wege stehen.
Die Schamanen sind eine weltweit verbreitete Zunft von magischen Heilern, und ihre Praxis unterscheidet sich, trotz vieler Gemeinsamkeiten, von Kultur zu Kultur. Doch alle Schamanen arbeiten auf einer universellen Grundlage: Ihr Flug beginnt, nachdem sie sich in tiefe Trance versetzt haben. In sehr vielen Fällen benutzen sie zu diesem Zweck bewusstseinsverändernde Drogen. Diese Drogen sind seit Menschengedenken bekannt. Es handelt sich dabei um die Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen und Pilze, aber auch um Extrakte tierischen Ursprungs. (1)
Der schamanische Trancezustand an sich unterscheidet sich nicht grundsätzlich von anderen Formen der Trance, wie sie z. B. in der Hypnose und Selbsthypnose, der Meditation, unter dem Einfluss halluzinogener Drogen (z. B. LSD), in spontanen mystischen Erfahrungen oder religiösen Ekstasen auftreten. (2) Die Trance ist ein veränderter Bewusstseinszustand, der sich u. a. durch folgende Merkmale auszeichnet:
Es lassen sich zudem zwei Grundformen der Trance unterscheiden, nämlich die stille und die erregte Form. Die stille Form ist z. B. für die Hypnose charakteristisch, die erregte Variante kennzeichnet z. B. Zustände der dämonischen Besessenheit.
Manchen Zeitgenossen kommen die Schamanen reichlich verrückt vor, und sogar einige Wissenschaftler können nicht über den Schatten unserer westlichen, aufgeklärten Zivilisation springen. So schrieb zum Beispiel der Psychoanalytiker George Devereux: "Es gibt keinen Grund und auch keine Entschuldigung dafür, nicht in Erwägung zu ziehen, dass der Schamane ein schwerer Neurotiker oder gar ein Psychotiker in einer Phase des vorübergehenden Abklingens der Symptome sei." (3)
Aus meiner Sicht handelt es sich aber bei den Neurosen und Psychosen jedoch nicht um Krankheiten, sondern um psychische Störungen - um Störungen in sozialen Bezugssystemen, deren Ursache dem sog. psychisch Kranken zugeschrieben wird. Wenn diese Sicht zutrifft, dann kann man Verhaltensmuster natürlich nicht unabhängig von der jeweiligen mitmenschlichen Umwelt als psychotisch oder neurotisch diagnostizieren.
In seiner angestammten Umwelt löst das aus unserer Sicht absonderliche Verhalten des Schamanen keine Störung aus - im Gegenteil: Der Schamane verfolgt das Ziel, eine Störung zu überwinden - nämlich jene Störung, die mit der Erkrankung seines Patienten verbunden ist. Und diese Aufgabe meistert der Schamane nicht selten erfolgreich - das heißt: zur Zufriedenheit seiner Gruppe.
(1) Robert H. Winthrop & Raymond G. McInnis (Hrsg.): Dictionary of Concepts in Cultural Anthropology. New York (Greenwood Press), 1991, 256 f.
(2) M. Winkelman: Magico-religious practitioner types and socioeconomic conditions. Behavior Science Research, 20, 1986, 17-46
(3) George Devereux: Normal and Abnormal. In: Basia M. Gulati & George Devereux: Basis Problems of Ethnopsychiatry. (Original 1956). Chicago (University of Chicago Press), 1980
Trance-Formation
Schamanenflug
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Runners High
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Hans Ulrich Gresch: Hypnose, Bewusstseinskontrolle, Manipulation. Sachbuch. Düsseldorf (Elitär Verlag) 2010
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