Verliebte schweben auf rosa Wolken. Die Leidenschaft reißt Menschen mit wie ein Orkan. Die Blindheit, mit der uns die Liebe schlägt, ist eine hypnotische. Die erotischen Gefühle können Menschen in tiefere Trance versetzen als die potentesten Rauschdrogen.

Die Macht der Phantasie

In der Sexualität zeigt sich die Macht der Phantasie über die Materie. Sexuelle Gedanken und Vorstellungen können ohne körperliche Stimulation u. U. einen Orgasmus auslösen. Ein erotischer Tagtraum kann uns so sehr absorbieren und fesseln, dass wir die Umwelt um uns herum fast völlig vergessen. Verliebte schweben bekanntlich auf rosa Wolken - und wenn sie sich dort oben nicht in einem entrückten und verzückten Zustand befinden, was, um Himmels Willen, ist dann eine Trance?

Wie im Traum sind die erotischen und sexuellen Trancen stets die Inszenierungen eines dominierenden, mitunter sogar überwältigenden Gefühls oder Musters von Gefühlen. Manche Forscher meinen sogar, die sexuelle Erregung besitze alle Merkmale eines Gefühls, sei im Grunde also eines der grundlegenden menschlichen Gefühle.(7) Aber auch wenn wir die Erregung als Gefühl an sich auffassen, so wird der Inhalt der sexuellen und erotischen Trancen doch von anderen Gefühlen bestimmt. Das müssen nicht immer die Gefühle der Liebe und Zuneigung sein. In manchen sexuellen Spielen sind z. B. Zorn und Angst mächtige emotionale Stimulatoren erotischer Phantasien, die lustvoll ausgelebt werden können.

In erotischen Situationen konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf Reize mit der Kraft zur Steigerung der sexuellen Erregung, andere Reize werden ausgeblendet. Diese selektive Aufmerksamkeit ähnelt durchaus der Verengung des Bewusstseins in der Hypnose. Ablenkungen und Störungen von außen können die erotische Stimmung genauso leicht unterbrechen wie eine hypnotische Trance. Doch findet die erotische Aufmerksamkeit ungestört Nahrung, zum Beispiel beim stimulierenden wechselseitigen Entkleiden der Partner, dann vertieft sich die Trance und die Liebenden versinken in ein entrücktes Reich des sinnlichen Entzückens.

Hypnose und romantische Liebe

Die größte Ähnlichkeit mit einer hypnotischen Beziehung zeichnet die sog. romantische Liebe aus. In der romantischen Beziehung verschmelzen die Phantasien der Idealpartner mit der Realität der Partner in einem permanenten Trancezustand. Buchhalter und Sekretärin sind als Zauberfee und Märchenprinz mit imaginären Ketten aneinander gefesselt. Die Partner sind so sehr fixiert auf ihre wechselseitigen Idealbilder, dass sie eine Persönlichkeitsentwicklung und eigenständige Identitätsbildung des anderen nicht zulassen.

Die hypnotisch verengten Wahrnehmung konzentriert sich allein auf jene Reize, die dem Idealbild möglichst weitgehend entsprechen; Abweichungen werden ignoriert oder verfälscht. Am Anfang der Beziehung ist die romantische Liebe ein wunderbarer Traum, der mit der Zeit zum Alptraum wird. Denn in der hypnotischen Trance entwickeln sich die Partner auf das emotionale und teilweise auch intellektuelle Niveau von Kleinkindern zurück (hypnotische Regression). Dann fehlen die gefühlsmäßigen und geistigen Ressourcen für eine erwachsene Lösung von Partnerschaftsproblemen.(8)


(7) David L. Rowland: The Psychology of Sexual Arousal and Behavior, in: Louis Diamant & Richard D. McAnulty (Hrsg.): The Psychology of Sexual Orientation, Behavior, and Identity: A Handbook. Westport CT. (Greenwood Press), 1995, 33

(8) Don J. Feeney: Entrancing Relationships: Exploring the Hypnotic Framework of Addictive Relationships. Westport, CT (Praeger Publishers) 1999

Inhalt

Trance-Formation
Schamanenflug
LSD-Trance
Runners High
Die Trancen der Liebe


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