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Die Sprache des Traums ist universell. Es gibt kaum kulturspezifische Unterschiede. Offenbar haben sich die Grundmuster des Träumens bereits an der Wiege der Menschheit herausgebildet. Dies könnte auch die Häufigkeit von Gefahrenträumen erklären. Denn in der Urzeit war der Mensch während des Schlafs natürlich wesentlich gefährdeter als heute.
Empirische Studien aus den letzten fünfzig Jahren zeigen, dass sich die Trauminhalte trotz des erheblichen kulturellen Wandels kaum verändert haben. Sobald das Erwachsenenalter erreicht ist, verändern sich die Inhalte auch mit zunehmendem Lebensalter nicht mehr.
Die Unterschiede zwischen den Kulturen sind gering. In kleinen, traditionellen Gesellschaften träumen die Menschen häufiger von Tieren als in Industriestaaten und die Häufigkeit der physischen Gewalt variiert zwischen verschiedenen Gesellschaften.
Ansonsten sind die Träume aller Menschen eher durch Gewalt als durch Freundlichkeit gekennzeichnet, man träumt öfter vom Pech als vom Glück, die negativen Gefühle überwiegen die positiven. Nicht selten wiederholen sich Träume über längere Zeiträume. Dies ist häufig bei Träumen der Fall, die unangenehme oder gar traumatische Erfahrungen widerspiegeln.

Beinahe in allen Kulturen und Gesellschaften träumen Männer
häufiger von Gewalt als Frauen; und Frauen träumen von Männern
und Frauen im Verhältnis von 1:1, Männer aber im Verhältnis
von 2:1. Menschen träumen in der Regel von emotional bedeutsamen
Inhalten, die mit ihrem Denken und Fühlen bei wachem Bewusstsein
übereinstimmen.
Trauminhalte drücken in der Regel unser Selbstbild und unser Verständnis
anderer Menschen aus. Seltener reflektieren sie aber unsere Einstellungen
gegenüber aktuellen Vorgängen und Problemen (12).
Dies schließt nicht aus, dass die Träume mancher Menschen von unbewussten Gefühlen beherrscht werden, die ihnen im Wachbewusstsein nicht zugänglich sind und die ihrem Selbstkonzept widersprechen. Es ist sicher denkbar, dass die Trauminhalte dieser Menschen die verdrängten Gefühle nur in verschlüsselter, zensierter Form ausdrücken, so dass sie für das Wachbewusstsein akzeptabel sind.
Doch die Vielzahl der an gestörten und normalen Menschen gewonnenen
Befunde spricht gegen die Hypothese, dass dies generell so ist. Einer
der Fehler Freuds bestand womöglich darin, seine Erfahrungen mit
psychisch gestörten Patienten auf die gesamte Menschheit zu übertragen.
Auch die These Carl Gustav Jungs, der Mensch träume überwiegend
von den vernachlässigten Aspekten seiner Persönlichkeit, muss
im Licht dieser empirischen Befunde wohl als nicht verallgemeinerungsfähig
bezeichnet werden.
(12) Interview der Zeitschrift Discover mit dem Psychologen und Soziologen Prof. Bill Domhoff von der kalifornischen Universität in Santa Cruz, Discover, 23, March 2002: "Freud-Debunker Bill Domhoff, Dream Un-Weaver"
Der Traum
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