Im luziden Traum kann der Träumer steuernd in seinen Traum eingreifen. Anders als normale Träume sind Klarträume in der Regel positiv und nicht selten von einem Gefühl des Entzückens begleitet.

Ein Kontinuum

Wenn der Träumer weiß, dass er träumt, sprechen wir von einem Klartraum, der auch "luzider Traum" (engl. "lucid dream") genannt wird. Man darf sich den Klartraum allerdings nicht als strikt getrennt und grundsätzlich verschieden vom normalen Nachttraum vorstellen. Ein gewisses Maß an Bewusstheit existiert in fast jedem Traum, so dass "Luzidität" und "Nicht-Luzidität" als die Eckpunkte oder Extrempole eines Kontinuums gedacht werden können. Die bisherigen Analysen des Traum bezogen sich auf jene weitaus häufigeren Träume, die dem nicht-luziden Ende des Kontinuums näher liegen. Dies sind Träume, in deren Ereignisse der Träumer hineingezogen wird, als schwimme er in einem reißenden Strom.

Im luziden Zustand kann der Träumer jedoch über seine Traumerlebnisse reflektieren und sie von den Erfahrungen des Wachzustands unterscheiden. Er ist sich dann z. B. bewusst, dass er eine außerkörperliche Erfahrung (Out-of-Body-Experience, OBE) hat und dass diese OBE ein Traum ist.

Wie der nicht-luzide Traum ist der Klartraum den Gesetzen, Regeln und Fakten der Realität nicht unterworfen; seine Inhalte hängen also in hohem Maß von Vorstellungen und Erwartungen des Schläfers ab. Während im nicht-luziden Traum die Vorstellungen und Erwartungen des Träumers sich weitgehend der bewussten Kontrolle entziehen, kann im luziden Traum auch das Traumbewusstsein steuernd in das Geschehen eingreifen. Im luziden Traum ist offenbar die Trennung zwischen Zustand A und Zustand B aufgehoben.

Der luzide Träumer kann seinen Traum steuern

Nicht-luzide Träume wiederholen sich zwar recht häufig, aber sie bauen im Gegensatz zu Klarträumen nicht aufeinander auf. Luzide Träume sind oft Episoden einer in sich schlüssigen, kontinuierlichen Traumerzählung. Anders als im nicht-luziden Traum sind die Gefühle im Klartraum zumeist positiv oder zumindest neutral. Das Bewusstsein zu träumen wird häufig von einem Gefühl des Entzückens begleitet. (13)

Unterschiede zwischen Klartraum und nicht-luzidem Traum

Diese Unterscheidung ist natürlich eine Idealisierung, da es, wie bereits betont, fließende Übergänge zwischen Luzidität und Nicht-Luzidität gibt und ein luzider Traum in einen nicht-luziden umschlagen kann und umgekehrt. Allerdings hat nur eine Minderheit häufiger voll entwickelte luzide Träume, obwohl die meisten Menschen diese Erfahrung schon einmal gemacht haben. Nur etwa 20 % der Bevölkerung haben einmal oder öfter im Monat einen Klartraum. (14)

Manche Menschen sind sich auch gar nicht bewusst, dass sie mitunter luzid träumen, oder sie messen dieser Tatsache keine besondere Bedeutung bei.

Skeptiker meinen, der Klartraum sei im Grunde nichts weiter als eine Phantasie oder ein Tagtraum; der luzide Träumer schlafe im Grunde gar nicht. Der Klarträumer weiß jedoch, dass er so wie der nicht-luzide Schläfer keine oder kaum Reize aus der äußeren Welt wahrnimmt; er reagiert fast ausschließlich auf die Realität seiner Traumwelt. Und so betrachtet er sich als schlafend. Auch objektive physiologische Messungen bestätigen diese Einschätzung der luziden Träumer. Klarträume treten in der Regel während der REM-Phase auf. (14)


(13) Stephen LaBerge & Donald J. DeGracia: Varieties of Lucid Dreaming Experience, in: R. G. Kunzendorf & B. Wallace (Hrsg.): Individual Differences in Conscious Experience. Amsterdam (John Benjamins), 2000, 269-307

(14) Stephen La Berge: Lucid Dreaming: Psychological Studies of Consciousness During REM Sleep, in: R. R. Bootzen et al. (Hrsg.): Sleep and Cognition. Washington DC (American Psychological Association) 1990, 109-126

Inhalt

Der Traum
Die psychoanalytische Sicht des Traums
Biologische Aspekte des Traums

Eine philosophische Deutung des Traums
Der Traum als Dichtung
Das dominierende Gefühl im Traum
Trauminhalte
Der Klartraum


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